Im Werkstattprozess

Von der Kommission "Zukunft Schule" über den Thüringenplan bis hin zum neuen Schulgesetz

Das neue Schulgesetz

Das Kabinett hat am 27. November 2018 die Novelle des Thüringer Schulgesetzes beraten und beschlossen. Der Gesetzentwurf wird nun dem Landtag zugeleitet. Seit der ersten Kabinettsbefassung im Mai 2018 fand ein umfangreicher Anhörungs- und Beteiligungsprozess statt. In Folge dieses Prozesses wurde der Gesetzestext an zahlreichen Stellen präzisiert. Unverändert bleibt die Zielstellung, die Thüringer Schulen durch strukturelle Weichenstellungen zukunftsfest aufzustellen. Das Gesetz ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Unterrichtsgarantie.

Medieninformation vom 27.11.2018 Holter legt neues Schulgesetz vor

Die Schwerpunkte des neuen Schulgesetzes

Der Thüringenplan

Im Mai 2018 hat das Kabinett den „Thüringenplan. Für eine gute Zukunft unserer Schulen.“ beschlossen. Mit diesem Arbeitsprogramm schreibt die Thüringer Landesregierung die wichtigsten Vorhaben fest, um den Unterrichtsausfall zu reduzieren und die Zukunftsthemen Bildungsgerechtigkeit und Digitalisierung zu gestalten. Der Thüringenplan beschreibt dazu kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen.

Hinweis: Am Ende des Filmes wird als Termin für das Inkrafttreten der Schulgesetznovelle der Beginn des Schuljahres 2019/20 genannt. Tatsächlich ist das Inkrafttreten aber erst zum Schuljahr 2020/21 geplant. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Der Thüringenplan: Für eine gute Zukunft unserer Schulen 1,1 MB

Der Thüringenplan & das neue Schulgesetz: Fragen und Antworten 0,05 MB

Einstellung in den Thüringer Schuldienst im Sommer 2018

Kurzpräsentation: Schwerpunkte des Thüringenplans 0,5 MB

Zukunft Schule. Ergebnisdokumentation des Werkstattprozesses 2017 4,5 MB

Der Werkstattprozess

Schulträger-Dialog

Herbst 2018: Minister Helmut Holter führt über 30 Gespräche mit Thürniger Schulträgern

Regionalforen zum Thüringenplan "Zukunft Schule"

5. bis 19. Juni 2018: Für die thematisch vertiefende Diskussion wurden fünf Regionalforen durchgeführt. In den Workshops wurden die jeweils im Arbeitsprogramm vorgesehenen Maßnahmen vor und zur Diskussion gestellt und ggf. Erläuterungen zu vorgesehenen Änderungen im Schulgesetz gegeben. Je nach Themenbereich und Teilnehmerinteresse wurden auch weitere Umsetzungsschritte oder -vorschläge debattiert.

Forum der Schulträger und Schulämter

8. November 2017: Das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport alle Thüringer Schulträger sowie die Schulämter zu einem gemeinsamen Forum Schulträger und Schulämter nach Bad Berka eingeladen.

Das Forum war Teil des Werkstattprozesses „Zukunft Schule“. Im Werkstattprozess erarbeiten die verschiedenen Beteiligtengruppen gemeinsam Antworten auf die großen Zukunftsherausforderungen unserer Schulen. In dem am 21. Juni 2017 veröffentlichten Bericht der Kommission „Zukunft Schule“ sind wesentliche dieser Herausforderungen herausgearbeitet: Zu wenig Lehrkräftenachwuchs in verschiedenen Schularten und Fächern, zu hoher Unterrichtsausfall in einem Schulnetz, das im Ländervergleich besonders kleinteilig und personalintensiv ausgelegt ist. Auch der Erhalt der für die Gemeinden wichtigen Schulstandorte gehört, neben anderen, zu diesen wesentlichen Herausforderungen, denen sich Thüringen angesichts einer absehbar sehr unterschiedlichen Entwicklung der künftigen Schülerinnen- und Schülerzahlen stellen muss.

Die Kommission empfahl deshalb ein abgestimmtes Zusammenwirken von Schulträgern, Schulaufsicht und Ministerium, nicht zuletzt mit Blick auf vielerorts fehlende Planungssicherheit für einen bestmöglichen Einsatz der Ressourcen für unsere Schulen. Hierbei müssen die freien Träger Thüringer Schulen, an deren Einrichtungen mehr als jede zehnte Schülerin oder Schüler lernt, künftig intensiver und mehr auf Augenhöhe einbezogen sein, da sich die Herausforderungen nur gemeinsam bewältigen lassen.

Ziel des Forums war es, die Vorschläge und Lösungsansätze der Schulträger für den weiteren Werkstattprozess und den für 2018 angekündigten Thüringenplan „Zukunft Schule“ aufzunehmen und die gemeinsame Verständigung über die Zielrichtungen voranzutreiben: Unsere Schulen verdienen Entscheidungen, die für die nächsten ein bis zwei Schülergenerationen stabile Perspektiven bieten.

Minister Helmut Holter stellte  in Bad Berka zunächst einen Ausschnitt der bereits von den Schulen, Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie der Kommission „Zukunft Schule“ eingebrachten Vorschläge und Empfehlungen vor. Im Anschluss fanden verschiedene Workshops statt.

Forum Bildungspartner

Am 28. Oktober 2017 fand ein Verbände-Forum in Weimar statt, in dem Schulträger, Gewerkschaften und Interessenvertretungen ihre Vorschläge vorstellen und diskutieren konnten.

In der zentralen Forumsveranstaltung des vom Bildungsministerium initiierten Werkstattprozesses wurden die umfangreichen Vorschläge der Kommission „Zukunft Schule“ sowie der rund 1.000 Teilnehmer der bisherigen Forumsveranstaltungen gesichtet, debattiert, kommentiert und ergänzt.

Die Kommission wurde von  Ministerpräsident Bodo Ramelow Anfang des Jahres einberufen, um die großen Herausforderungen, vor denen die Schulen stehen, neu in den Blick zu nehmen: Unterrichtsausfall, zu wenig Lehrkräftenachwuchs für viele Unterrichtsfächer, regionale und soziale Ungleichheiten, Inklusion mit Augenmaß, um nur einige der wichtigen zu nennen.

Die Kommission „Zukunft Schule“ hatte am 21. Juni 2017 ihre Vorschläge vorgelegt. Die wichtigste der Empfehlungen: Zukunftsfeste Schulstrukturen lassen sich nur mit Ihnen zusammen gestalten.

Auf die Sammlung Ihrer Vorschläge, wie sich die ernsten Herausforderungen für die Schulen beantworten lassen, werden nun konkrete Schritte folgen. Die Thüringer Schulen verdienen dabei Entscheidungen, die nicht nur heute, sondern auch für die nächsten Schülergenerationen stabile Perspektiven bieten.

Dafür braucht es eine breite gemeinsame Verständigung, für die das Forum der Bildungspartner am 28. Oktober 2017 einen eigenen Raum geschaffen  hat.

Das Forum richtete sich deshalb an:

  • die für Schule engagierten Thüringer Interessenverbände und die weiteren Träger unseres Schulwesens, einschließlich der bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher des Thüringer Landtags,
  • interessierte Lehrkräfte aller Schularten sowie
  • die im Werkstattprozess nominierten Vertretungen der Schulleitungen, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler.

Schüler-Eltern-Forum

Eltern, Schülerinnen und Schüler haben sich am 21. Oktober 2017 in die Debatte eingebracht. Das Bildungsministerium, die Landeselternvertretung und die Landesschülervertretung haben gemeinsam zu einem Eltern-Schüler-Forum eingeladen. Um gemeinsam offen und sachbezogen über die Probleme und die Lösungsmöglichkeiten debattieren zu können, wurde auf dem Forum in thematischen Workshops gearbeitet.

Im Rahmen einer breit angelegten Reihe von Diskussionen und Arbeitskreisen fand ein Schüler-Eltern-Forum in Erfurt statt. Die Veranstaltung bot Gelegenheit sowohl Schülerinnen und Schülern als auch Eltern, sich in die aktuelle Debatte „Zukunft Schule“ einzubringen. Die etwa 150 Teilnehmenden absolvierten einen arbeitsreichen Tag, an dem in Workshops und Diskussionen Themen wie Unterrichtsgarantie, Inklusion, digitales Lernen und Partizipation behandelt wurden. Das Forum wurde vom Thüringer Bildungsministerium, der Landeselternvertretung Schule und der Landesschülervertretung organisiert.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter: „Wenn wir über die Zukunft der Schulen in Thüringen sprechen, dann ist das nur erfolgreich, wenn Eltern, Schülerinnen und Schüler in diesen Prozess eingebunden sind. Deshalb ist mir die offene Debatte so wichtig. Wir werden miteinander reden und dann wird es Entscheidungen geben. Maßgeblich ist letztlich, dass wir unseren Kindern die bestmögliche Bildung garantieren.“

Schulleiterforen

Im Werkstattprozess Zukunft Schule fanden fünf Schulleiterforen statt. Die Ideenwerkstätten waren als Beratungen mit allen Schulleitungen in den fünf Thüringer Schulamtsbezirken organisiert.

13.09.2017: Schulleiterforum Ostthüringen (FSU Jena)

14.09.2017: Schulleiterforum Mittelthüringen (Andreas-Gordon-Berufsschule Erfurt)

18.09.2017: Schulleiterforum Nordthüringen (Hochschule Nordhausen)

21.09.2017: Schulleiterforum Westthüringen (Arnoldi-Gymnasium Gotha)

25.09.2017: Schulleiterforum Südthüringen (Hochschule Schmalkalden)

Kommission "Zukunft Schule"

21. Juni 2017: Die vom Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und der Thüringer Bildungsministerin Dr. Birgit Klaubert eingesetzte Kommission „Zukunft Schule“ hat heute ihre Empfehlungen für die zukunftsfähige Ausgestaltung des Thüringer Schulsystems vorgelegt.

Die Kommission wurde um weitreichende und zugleich realistische Reformvorschläge gebeten. Ihre heute vorgestellten Empfehlungen umfassen im Kern die folgenden zehn Punkte:

  1. Für den Weg zu einer Thüringer Unterrichtsgarantie sollte eine auf drei Säulen aufgebaute Vertretungsreserve (Personalausgleich von Langzeiterkrankungen, Schulbudget und mobile Vertretungsreserve) realisiert werden. Weitere Ressourcen sollten über eine Optimierung des Thüringer Schulnetzes für die Unterrichtsabsicherung freigestellt werden.
     
  2. Das Land sollte zur Festlegung von Eckwerten für das Thüringer Schulnetz ermächtigt werden und künftig für gleichmäßige und gerechtere Klassengrößen sorgen, so dass zu große oder zu kleine Schulklassen nur noch in besonders begründeten Fällen eingerichtet werden dürfen, etwa wenn Schulwege andernfalls zu lang werden.
     
  3. Für Schulen sollte eine Mindestzahl parallel zu führender Klassen eingeführt werden, wie sie auch in anderen Bundesländern üblich ist. Schulen, deren Kollegium zu klein ist, um den vorgesehenen Fachunterricht allein mit dafür ausgebildeten eigenen Fachkräften abzudecken, sollten ein Kooperationsmodell mit anderen Schulen wählen.
     
  4. Dafür sollte ein zur lokalen Situation passendes Kooperationsmodell gewählt werden können, um einen zukunftsfesten Erhalt kleiner Schulstandorte und echte Qualitätsverbesserungen zu erzielen. Schulen in solchen Kooperationsmodellen sollten gemeinsame Schulbezirke führen und sich in der Klassenbildung sinnvoll abstimmen.
     
  5. Schulen, die mit besonderen sozialen Problemlagen konfrontiert sind, sollten eine günstigere Lehrkräfteausstattung erhalten können als Schulen, in denen der erzieherische Aufwand je Schüler/-in geringer ausfällt. Die Kommission empfiehlt deshalb die Einführung eines Sozialindexes für die Lehrkräfteverteilung.
     
  6. Für die Gewinnung zusätzlicher Lehrkräfte soll der Freistaat eine Werbekampagne starten, seine Bemühungen mit den freien Trägern koordinieren und Stipendienprogramme aufsetzen, die das Interesse des Lehrkräftenachwuchses an Mangelfächern und am Einsatz in derzeit als unattraktiv geltenden Regionen ankurbeln.
     
  7. Solange keine bedarfsgerechte Versorgung vorhanden ist, sollte die Gewinnung weiterer Lehrkräfte durch ein Seiteneinsteigerprogramm unterstützt werden. Dafür muss die derzeitige Einstellungsrichtlinie gelockert werden. Ländlichen Kommunen sollen zusätzliche Instrumente zur Anwerbung von Lehrkräften zur Verfügung stehen und das Land Gehaltszulagen ermöglichen.
     
  8. Schulbauförderung und die Schulorganisation sollten in eine Hand gelegt werden, statt zwischen zwei Ministerien aufgeteilt zu sein. Thüringen sollte den Investitionsbedarf an seinen Schulen ehrlich bilanzieren und dabei besonderes Augenmerk auf die digitale Ausstattung der Schulen legen.
     
  9. Die Kooperation der staatlichen Schulaufsicht und der kommunalen Schulträger sollte intensiver werden, denn beide tragen eine gemeinsame Verantwortung für zukunftsfeste Schulstrukturen in Thüringen. Dazu empfiehlt die Kommission auch eine Aufwertung der Rolle des Schulträgers und, soweit Gemeindegrößen und -finanzen dies zulassen, eine auf Gemeindeebene verankerte Schulträgerschaft, damit Entscheidungen nah an den Menschen getroffen werden.
     
  10. Schulleitungen und Lehrkräfte sollten von nicht-pädagogischen Aufgaben entlastet und in ihrem Entscheidungsspielraum gestärkt werden. Schulleitungen sollten für ihre Managementaufgaben bessere Unterstützung erhalten.

Den vollständigen Kommissionsbericht „Zukunft Schule. Herausforderungen und Chancen für Thüringens Schulsystem“ finden Sie unter:
Zukunft Schule. Herausforderungen und Chancen für Thüringens Schulsystem

Einberufung der Kommission "Zukunft Schule"

Anfang 2017: Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow beruft die Kommission "Zukunft Schule" ein, um die großen Herausforderungen wie Unterrichtsausfall, Lehrermangel und weitere strukturelle Probleme, vor denen unsere Schulen stehen, neu in den Blick zu nehmen. Die Kommission hat im Juni ihre Empfehlungen vorgelegt. Zukunftsfeste Schulstrukturen lassen sich nur gemeinsam mit allen Akteuren des Thüringer Schulsystems gestalten. Das Bildungsministerium ruft daher Schulfunktionsträgerinnen und -träger, Lehrerinnen und Lehrer, kommunale Spitzenverbände, Gewerkschaften, Politikerinnen und Politiker, Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie alle anderen Interessierten zum gemeinsamen Werkstattprozess ein. Ausgehend von den Empfehlungen der Kommission "Zukunft Schule" sollen mit allen Beteiligten Kenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis ausgetauscht und darauf basierend Lösungsvorschläge für zukunftsfeste Schulstrukturen in Thüringen erarbeitet werden.

Mitglieder der Kommission

  • Dieter Eckert – Bürgermeister a.D. Offenburg
  • Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff – Chef der Thüringer Staatskanzlei und Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten
  • Helmut Holter – Minister a.D., MdL Mecklenburg-Vorpommern
  • Lutz Lange – Leiter der Zentralabteilung im Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
  • Gabi Ohler – Staatssekretärin im Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
  • Frank Roßner – Präsident des Thüringer Landesverwaltungsamtes
  • Frank Schenker – Bürgermeister und Dezernent für Familie, Bildung und Soziales in Jena
  • Michaele Sojka – Landrätin des Landkreises Altenburger Land.

Im Januar 2016 trafen der Thüringer Ministerpräsident, Bodo Ramelow, und die Ministerin für Bildung, Jugend und Sport, Dr. Birgit Klaubert, die Entscheidung, eine Kommission einzurichten, die sich insbesondere mit den Perspektiven von Schulen im ländlichen Raum befasst und zudem Vorschläge für die Schulverwaltung sowie Schulnetzplanung formuliert. Die Einsetzung der Kommission geschah vor dem Hintergrund weiterer Entscheidungen wie dem Beschluss des Personalentwicklungskonzepts 2025, der Funktional-, Verwaltungs- und Gebietsreform und der Beratungen des Doppelhaushaltes 2018/19 und des Finanzausgleichsgesetzes.  

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