Gemeinsamer Unterricht

Mit Inkrafttreten der „UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ im Jahr 2009 liegt ein erstes universelles Rechtsdokument vor, das die bestehenden Menschenrechte - bezogen auf die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen - stärkt und konkretisiert. Das Übereinkommen anerkennt das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, sind die Vertragsstaaten aufgefordert, ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen zu gewährleisten.

Auf gesetzlicher Grundlage hat in Thüringen der Gemeinsame Unterricht Vorrang vor der Beschulung in einer Förderschule. Für Kinder mit Behinderungen und mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist somit der Übergang aus einer gemeinsamen Zeit in Kindertageseinrichtungen in die Schule gegeben.

Im Gemeinsamen Unterricht in Thüringen, der einen wichtigen Schritt in Richtung eines inklusiven Bildungssystems darstellt, können behinderte und nichtbehinderte Kinder und Jugendliche ihre individuellen Fähigkeiten ausschöpfen, Talente entwickeln, Lebenserfahrungen austauschen und den selbstverständlichen Umgang miteinander lernen. Gemeinsamer Unterricht erfüllt den Anspruch, dass Kinder mit und ohne Behinderungen, mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf am gleichen Lernort, in einer barrierefreien Gesellschaft, von Anfang an gemeinsam lernen können. Die gegenwärtige öffentliche Diskussionen in Thüringen bewegt sich zwischen zwei Polen: den Einen geht die Ausweitung des Gemeinsamen Unterrichts zu langsam, die anderen mobilisieren alle nur erdenklichen Kräfte und zeichnen düstere Entwicklungsprognosen.

Inwieweit Gemeinsamer Unterricht gelingt und es tatsächlich zu einer sozialen Integration kommt, entscheiden der Unterricht an den Grund- und Regelschulen sowie der dort gelebte Schulalltag. Von gelingendem Gemeinsamen Unterricht sprechen wir dann, wenn ein Schüler in sein soziales Umfeld eingebunden ist und ein hohes Maß an Anerkennung und Wertschätzung erfährt, das ihn dabei unterstützt, seine Persönlichkeit zu entfalten. Eine solche wertschätzende Kultur des Lernens kann nur die einzelne Schule selbst erreichen. Zahlreiche Erfahrungen in Thüringen zeigen, dass bei einer auf Heterogenität ausgerichteten pädagogischen Grundhaltung vieles erreicht werden kann.

Unsere Internetseite soll dazu beitragen, Transparenz zu schaffen, wichtige Fragen zu klären und Verbindungen zu interessanten Angeboten zu erschließen.

  • Individuelle Förderung zielt darauf, alle Schüler entsprechend dem jeweiligen individuellen Lern- und Entwicklungsstand zu fördern. Sie ermöglicht es jedem Schüler, seine Begabungen und Fähigkeiten zu entfalten sowie vielfältige Kompetenzen zu entwickeln. Ziel ist es, bestmögliche Lernerfolge und eine erfolgreiche schulische Entwicklung für jeden zu sichern.

    Im Mittelpunkt der individuellen Förderung stehen die Schüler als eigenständige Persönlichkeiten. Grundsatz ist daher: Nicht der Schüler muss schulfähig gemacht werden, sondern Schule muss Unterricht so gestalten, dass Schülern eine erfolgreiche Entwicklung möglich wird. Die Konsequenz ist ein schülerorientierter, differenzierter Unterricht. Basierend auf den jeweiligen Lernausgangslagen der Schüler werden Lernsituationen geschaffen, die o. g. Zielstellung unterstützen. Den Schülern werden beim Arbeiten am gleichen Lerngegenstand unterschiedliche Lernwege und -geschwindigkeiten ermöglicht.

  • Pädagogische Diagnostik umfasst alle diagnostischen Tätigkeiten, durch die bei einzelnen Lernenden und den in einer Gruppe Lernenden Voraussetzungen und Bedingungen planmäßiger Lehr- und Lernprozesse ermittelt, Lernprozesse analysiert und Lernergebnisse festgestellt werden, um individuelles Lernen zu optimieren.

    (INGENKAMP/LISSMANN: Lehrbuch der Pädagogischen Diagnostik)

    Handreichung für den Gemeinsamen Unterricht. Praxishilfe


    2013

    Fachliche Empfehlung zur sonderpädagogischen Förderung in Thüringen


    2008

    Einverständniserklärung der Eltern zur Akteneinsicht
    für den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst


    Schuleingangsphase


    (Thillm 2010)

    Die hier vorgestellten 10 pädagogischen Kernziele für die Schuleingangsphase wurden im Rahmen des Thüringer Projektes „Begleitete Schuleingangsphase in Thüringen entwickeln (BeSTe)“ erarbeitet.
     

    Ergebnisse der Schulversuche zur Schuleingangsphase, die die Gestaltung des Gemeinsamen Unterrichts inspirieren:

    Das Thüringer Kultusministerium initiierte im Schuljahr 1997/98 ein Projekt zur Gestaltung der veränderten Schuleingangsphase, das mit dem Schuljahr 1999/2000 in einen vierjährigen Schulversuch „Veränderte Schuleingangsphase“ überführt wurde. An diesem Schulversuch nahmen 14 Thüringer Grundschulen teil. Auf Grund der Erfahrungen und Ergebnisse des Schulversuchs waren anschließend 25 weitere Grundschulen bestrebt, im Rahmen des Projektes „Optimierte Schuleingangsphase“ eine veränderte Schuleingangsphase zu gestalten. Ausgehend von den Ergebnissen erfolgte im Rahmen des Entwicklungsvorhabens „Eigenverantwortliche Schule“ im Schuljahr 2005 bis 2010 die Umsetzung eines Transferprojektes „BeSTe“ (Begleitete Schuleingangphase Thüringen entwickeln) in zwei Phasen.

    Die Evaluation der Projekte erfolgte durch die Universität Bremen, Frau Professor CARLE. Einige der Evaluationsergebnisse erweisen sich als interessant und hilfreich für die Ausgestaltung des Gemeinsamen Unterrichts. Diese finden sich im Folgenden dargestellt:

    1. Durch eine Unterrichtsorganisation, die jedem Schüler ein hohes Maß eigenständigen Arbeitens ermöglicht, wird es dem Lehrer (überhaupt erst) möglich, als Lernbegleiter zu agieren. Insbesondere wird es ihm möglich, auf einzelne Schüler einzugehen und individuelle Unterstützung zu geben.
    2. Ein jahrgangsgemischter, sich an reformpädagogischen Ansätzen oder offenen Unterrichtsformen orientierender Unterricht führt zu einer Steigerung der sozialen Kompetenzen der Schüler. (vgl. CARLE/BERTHOLD, 2007, 49)
    3. Die Gestaltung eines Lernangebotes im Sinne eines gemeinsames Rahmenthemas macht „die Arbeit am gemeinsamen Gegenstand auf unterschiedlichen Anspruchsniveaus für alle Kinder möglich“ (CARLE/BERTHOLD, 2007, 37). Jedes Kind kann „seinen bestmöglichen Beitrag“ (CARLE/METZEN, 2009, 61) leisten.
      Die Bereitstellung offener und zugleich anspruchsvoller Aufgaben fördert darüber hinaus die Kooperation der Schüler untereinander: „Die Formulierung der Aufgabenstellung bestimmt die Qualität der Kooperation. Helfen muss geübt werden! Ein soziales Klima stützt dies: Hilfsbereitschaft, Toleranz, Offenheit, Bewältigung von Konflikten, Kompromissbereitschaft, Regeln für Zusammenarbeit. Für Kinder müssen klar erkennbare Strukturen geschaffen werden. Eine Vielzahl von Angeboten und Materialien ist nötig.“ (CARLE/BERTHOLD, 2007, 170)
    4. Durch offene, ähnliche oder gleiche Aufgaben wird Kooperation zwischen den Lernenden möglich. Wochen- oder Tagespläne sollten aus diesem Grund zwar individualisiert, aber nicht absolut individuell sein. (vgl. CARLE/BERTHOLD, 2007, 112)
    5. Die Arbeit in Lehrerteams ermöglicht auch im Falle einer notwendig werdenden Klassenteilung Stabilität hinsichtlich der Bezugspersonen (vgl. CARLE/METZEN, 2009, 60).
    6. Durch den Umstand, dass sich jedes Kind im Laufe der Zeit sowohl in der Rolle des Kleinen als auch in der Rolle des Großen wiederfindet, wird das „gegenseitige Unterstützen […] zum Prinzip der klassenstufenübergreifenden Arbeit“ (CARLE/METZEN, 2009, 61).

    Für alle deutschlandweiten Projekte zur Jahrgangsmischung innerhalb der Schuleingangsphase fassen CARLE und METZEN in ihrem Vortrag am 26. Juni 2013 an der Universität Bremen u.a. folgende Erfahrungen als übergreifende zusammen:

    Jahrgangsmischung fördert deutlicher als Jahrgangsunterricht

    • eine "lebendige und friedliche Atmosphäre";
    • Das "soziale Miteinander", eingeschlossen "sich helfen und kooperieren, sich unterstützen und herausfordern";
    • "Inklusion, jedes Kind als Subjekt anerkennen, achten und fördern";
    • die "Wertschätzung kultureller, sozialer und subjektiver Heterogenität";
    • "Rhythmisierung: Leben und Lernen nach dem eigenen Rhythmus"

    Quellen:

    CARLE, URSULA/BERTHOLD, BARBARA (2007): Schuleingangsphase entwickeln und Leistung fördern. Wie 15 staatliche Grundschulen in Thüringen die flexible, jahrgangsgemischte und integrative Schuleingangsphase einrichten. Schneider Verlag Hohengehren GmbH. Baltmannsweiler

    CARLE, URSULA/METZEN, HEINZ (2009): Die Schuleingangsphase lohnt sich! Erfolgsmomente für die bestmögliche Entwicklung des landesweiten Schulentwicklungsvorhabens „Begleitete Schuleingangsphase“ in Thüringen. Universität Bremen. FB 12 Arbeitsgebiet Grundschulpädagogik

    www.grundschulpaedagogik.uni-bremen.de/archiv/Carle/2013/Carle+Metzen20130621JueL_Vortrag_GSW.pdf


    Individuelle Abschlussphase

    Die Beachtung der Individualität von Lernprozessen widerspiegelt ein Verständnis von Bildung, das im Dezember 2010 in Paragraph 2 des Thüringer Schulgesetzes verankert wurde. Als besondere Form der individuellen Förderung wurde an Thüringer Regelschulen, Gemeinschaftsschulen, Gesamtschulen und Förderschulen mit dem Bildungsgang Regelschule eine individuelle Abschlussphase (IAP) für abschlussgefährdete Schüler festgeschrieben. Sie wird auf Antrag der Eltern durchgeführt und ermöglicht es dem Schüler, in längerer Lernzeit und mit erhöhtem Praxisanteil die für den Hauptschulabschluss notwendigen Kompetenzen zu erlangen.

    Wer kann die IAP absolvieren?

    Die Möglichkeit der IAP betrifft die auf den Hauptschulabschluss orientierten Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 9. Die Teilnahme an der IAP steht Schülerinnen und Schülern an Thüringer Regelschulen, Gemeinschaftsschulen, Gesamtschulen und Förderschulen mit dem Bildungsgang Regelschule offen.

    Die Aufnahme in die IAP beantragen die Eltern bei der von ihrem Kind besuchten Schule formlos schriftlich. Der Antrag kann schon zum Ende der Klassenstufe 8 bzw. zum Beginn der Klassenstufe 9 gestellt werden, spätestens jedoch bis eine Woche nach Ausgabe des Zeugnisses zum Schulhalbjahr der Klassenstufe 9.

    Wie wird die IAP durchgeführt?

    Die Klassenstufe 9 wird in zwei Schulbesuchsjahren absolviert. Beim Übergang vom ersten in das zweite Jahr erfolgt keine Versetzungsentscheidung.
    Die Schülerinnen und Schüler bleiben im 1. Schulbesuchsjahr der IAP in der Regel im bisherigen Klassenverband integriert und wechseln im 2. Schulbesuchsjahr der IAP in eine nachrückende Klasse 9 oder in eine Klasse 10.

    Die IAP wird mit individueller Lernplanung und besonders praxisorientiert durchgeführt. In der Regel sind ein bis zwei Praxistage pro Woche in Unternehmen der Region und nach Möglichkeit in Zusammenarbeit mit berufsbildenden Schulen zu absolvieren. Auf diese Weise werden individuelle Anschlussperspektiven aufgezeigt, die die Motivation der Jugendlichen für einen erfolgreichen Schulabschluss und einen gelingenden Übergang in eine Berufsausbildung erhöhen soll.

    Was ist das Ziel der IAP?

    Das Ziel der Teilnahme an der IAP ist mindestens das Erreichen des Hauptschulabschlusses. Weitere Abschlüsse und Bildungswege an der allgemein bildenden Schule oder an der berufsbildenden Schule sind bei entsprechenden Leistungen und individuellen Voraussetzungen möglich.

    Schullaufbahnen in Thüringen

    Darüber hinaus soll durch die kontinuierlichen Praxiserfahrungen die Anschlussfähigkeit in eine Berufsausbildung verbessert werden. Voraussetzung für den erfolgreichen Verlauf ist selbstverständlich auch der eigene Leistungswille der Schülerinnen und Schüler.

    Weiterführende Informationen sind enthalten in der Fachlichen Empfehlung zur Gestaltung von individuellen Lernprozessen im Kontext der individuellen Abschlussphase an Thüringer Schulen
    Download

    2013

  • Schule

    Wenn im konkreten Fall Fragen zum Gemeinsamen Unterricht zu beantworten und Entscheidungen für das einzelne Kind, die Klasse oder die Schule zu treffen sind, ist der erste Ansprechpartner die Klassebnlehrerin bzw. der Klassenlehrer.

    Weitere Beratungsangebote der einzelnen Schulen sind:

    • das Gespräch mit einer Beratungslehrkraft,
    • das Gespräch mit dem Förderschullehrkraft oder der Sonderpädagogischen Fachkraft und
    • das Gespräch mit der Schulleiterin bzw. dem Schulleiter.

    Schulämter

    Für den Gemeinsamen Unterricht sind in den Schulämtern die jeweiligen Leitungen des Referates 3 (Grundschule, Förderschule) und des Referates 4 (Regelschule, Thüringer Gemeinschaftsschule, Gymnasium, Gesamtschule) sowie die Referentinnen und Referenten für Förderschulen der Staatlichen Schulämter ansprechbar.

    In jedem Schulamt sind Koordinatorinnen und Koordionatoren für den Gemeinsamen Unterricht tätig. Sie unterstützen Eltern hinsichtlich der zu stellenden Anträge und beraten im Inklusionsprozess.

    Telefonnummern und E-Mail-Adressen finden Sie auf den Seiten der Schulämter.


    Weitere Unterstützerinnen und Unterstützer

Entwicklung des Gemeinsamen Unterrichts

Stand: September 2018

    • In der Ideenwerkstatt "Zukunft Schule" entstand in einem Werkstattprozess der "Thüringenplan. Für eine gute Zukunft unserer Schulen". Das Thema Inklusion erhielt wertvolle Inspirationen.
    • Die Förderquote in den staatlichen Schulen ist weiterhin stabil bei 4,8 %.
    • Inklisionsquote in den staatlichen Schulen bei 48,1 %
    • Qualifizierungskonzept - Inklusive Bildung (ThILLM)
    • Dieses modularisierte Konzept eröffnet vielfältige Möglichkeiten zur Fortbildung für Lehrer, Erzieher, SPF, für Schulen und weitere Interessierte.
    • Novellierung des „Thüringer Maßnahmenplanes zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention“ der Landesregierung
    • Erarbeitung neuer Maßnahmenvorschläge im Bereich „Bildung“ innerhalb einer Arbeitsgruppe
    • „Inklusives Schulgesetz“: intensive Arbeit am Referentenentwurf zum „inklusiven Schulgesetz“
    • Förderquote in den staatlichen Schulen ist stabil bei 4,8%
    • Inklusionsquote in den staatlichen Schulen bei 45,6%
    • Abschluss der Arbeit am Leitbild „Inklusive Bildung in Thüringen“ durch die Konzeptgruppe des Beirates „Inklusive Bildung“ zur Erarbeitung des Leitbildes unter Leitung des ThILLM. Zustimmung zum Leitbild „Inklusive Bildung in Thüringen“ in der Sitzung des Beirates „Inklusive Bildung“ am 13. April 2016
    • Implementierung der „Leitlinien zur Beschulung von Schülern und Schülerinnen mit dem Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung im Gemeinsamen Unterricht“
    • Etablierung des Modellprojektes im Rahmen der Wissenschaftlich-Fachlichen Moderation „Förderzentren als Kompetenz- und Beratungszentrum“: In jedem Schulamtsbereich entwickeln sich mindestens ein bis zwei Förderzentren nach dem Hessischen Modell weiter.
    • Veröffentlichung des „Thüringer Bildungsplanes bis 18 Jahre“ und Beginn der ersten Phase der Implementation
    • „Fachliche Empfehlung für das Unterstützungssystems“ (ThILLM)
    • Arbeitshilfe „Die Sicherstellung des besonderen Hilfebedarfs für Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung während des Schulbesuches“
    • Entwicklung des Qualifizierungskonzeptes „Inklusive Bildung“, welches die Qualifizierungsoffensive ablöst (Start zum Schuljahr 2016/2017)
    • „Inklusives Schulgesetzes“: Diskussion über Eckpunktepapier zum „Inklusiven Schulgesetz“; nach Diskussionsphase Arbeit am Referentenentwurf zum „Inklusiven Schulgesetz“
    •  „Arbeitshilfe für die Sicherstellung des besonderen Hilfebedarfs für behinderte Kinder und Jugendliche während des Schul- und Hortbesuchs“ gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe des Thüringer Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit
    • Beginn einer Qualifizierungsoffensive für Lehrer und Lehrerinnen sowie für staatlich anerkannte Erzieher und Erzieherinnen im Kontext inklusiver Bildung. Diese umfasst folgende Fort- und Weiterbildungen (a) 200-Stunden-Programme zu den Förderschwerpunkten Hören, Sehen, Autismus, körperlich-motorische Entwicklung und geistige Entwicklung b) 150-Stunden-Programm mit dem Schwerpunkt „Inklusion“ c) Weiterbildungsprogramm für staatlich anerkannte Erzieher d) mehrtägige Fortbildungen zur Umsetzung der Leitlinien zur Beschulung von Schülern mit Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung im Gemeinsamen Unterricht)
    • „Empfehlung zur Reintegration von Schülern und Schülerinnen nach Klinikaufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie“ Arbeitsgruppe des TMBWK: „Umgang mit schwierigem Verhalten“
    • „Empfehlungen zur Förderung von Schülern mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung“, Arbeitsgruppe am ThILLM
    • „Fachliche Empfehlung zur gemeinsamen Förderung von Kindernohne und mit (drohender) Behinderung nach § 7 Abs. 1 bis 3 ThürKitaG sowie von Kindern mit besonderen Förderbedarf nach § 7 Abs. 4 ThürKitaG in Kindertageseinrichtungen.“
    • aus den Arbeits- und Unterarbeitsgruppen des „Beirats Inklusion“ entstehen (a) „Empfehlung zum Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule“ b) „Praxishilfe Schuleingangsphase“ c) „Absicherung der sonderpädagogischen Förderung – Personalkonzept“)
    • Beginn der Wissenschaftlich-Fachlichen Moderation der Entwicklungsperspektiven der Förderzentren: Förderzentren als Kompetenz- und Beratungszentren stehen im Mittelpunkt der regionalen Netzwerke. Sie dienen der Organisation und Weiterentwicklung des Gemeinsamen Unterrichts an den Schulen ihres Einzugsbereiches und den Förderschullehrern und sonderpädagogischen Fachkräften als Plattform für den fachlichen Austausch.
    • Einrichtung des „Ombudsrates Inklusion“ beim TMBWK unter Leitung des Beauftragten für Menschen mit Behinderungen
    • Themenjahr: "Gemeinsam Leben. Miteinander Lernen" unter Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission, Herausgabe Bilanzheft des Themenjahres
    • Herausgabe „Handreichung für den Gemeinsamen Unterricht – Praxishilfe“
    • Herausgabe „Impulse für erfolgreiches Handeln zur Entwicklung emotionaler und sozialer Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen“
    • Veröffentlichung „Leitlinien zur Beschulung von Schülern mit Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung im Gemeinsamen Unterricht“,  Arbeitsgruppe TMBWK
    • „Leitbild Inklusion“: Einrichtung einer Konzeptgruppe zur Entwicklung des Leitbildes „Inklusive Bildung in Thüringen“, ThILLM und Vertreter der einzelnen Arbeitsgruppen des „Beirats Inklusion“
    • Etablierung eines Inklusionsforums für Träger der Schulen in freier Trägerschaft
    • Vorbereitung einer Qualifizierungsoffensive für Lehrer und staatlich anerkannte Erzieher im Kontext inklusiver Bildung
    • Entwicklung eines Diagnostikkonzepts durch Frau Prof. M. Vernooij
    • Regionalisierung der Steuergruppen „WFG – Weiterentwicklung der Förderzentren und des Gemeinsamen Unterrichts“ auf die Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte (23) unter Leitung eines Verantwortlichen des zuständigen Schulamts
    • Veränderung des Thüringer Haushaltbegleitgesetzes: mit Wirkung von Januar 2013 können Sonderpädagogische Fachkräfte im Mobilen Sonderpädagogischen Dienst im Gemeinsamen Unterricht eingesetzt werden
    • Beschluss des Thüringer Landtags: Erstellung des „Thüringer Entwicklungsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Bildungswesen bis 2020“, Vorlage des Entwicklungsplans im Thüringer Landtag (Juli 2013)
    • Einrichtung des Beirates „Inklusive Bildung“; Beiratsvorsitzende: Minister des TMBWK und Beauftragter für Menschen mit Behinderungen beim TMSFG
    • Veränderung der Verwaltungsorganisation: Zuweisung von mindestens einer halben Vollzeitstelle sonderpädagogischer Kompetenz an jede Grundschule, Regelschule, Gemeinschafts- und Gesamtschule (Lernen, Sprache, emotionale und soziale Entwicklung) und schülerbezogene Zuweisung für Schüler mit manifesten Behinderungen
    • Etablierung von Teams zur Qualitätssicherung der sonderpädagogischen Begutachtung, Abschluss der Erprobungsphase und Ausweitung des Konzepts auf alle Schulämter
    • Angleichung der Stundentafel für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Lernen im Gemeinsamen Unterricht an die Stundentafel der Grund- und Regelschule
    • Dezember 2010: Novellierung des Thüringer Schulgesetzes (ThürSchulG) Individuelle Förderung als durchgängiges Prinzip des Lehrens und Lernens
    • November 2010: Schaffung schulartübergreifender Strukturen zur Weiterentwicklung des Gemeinsamen Unterrichts und der Förderzentren „Arbeitsgruppe Gemeinsamer Unterricht“ am TMBWK
    • Expertise Prof. M. Vernooij „Zur Situation und Weiterentwicklung der Förderzentren in Thüringen“
    • Einrichtung von Teams zur Qualitätssicherung der sonderpädagogischen Begutachtung (TQB), Erprobungsphase in 5 Schulämtern
    • Regionalkonferenzen in jedem Staatlichen Schulamt Regionale Auswertung der 1. Fortschreibung der Expertise „Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für das Gelingen des Gemeinsamen Unterrichts an den allgemein bildenden Schulen in Thüringen“ von Frau Prof. Sasse/ Ursula Schulzeck, Thüringer Forschungs- und Arbeitsstelle für den Gemeinsamen Unterricht
    • Einrichtung des Schulversuchs „Unterrichtung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Lernen im Gemeinsamen Unterricht nach den Lehrplänen der Grund- und Regelschule“, Laufzeit 2009 – 2015
    • Erarbeitung eines veränderten Arbeitszeitmodells für Sonderpädagogische Fachkräfte, Laufzeit der Erprobungsphase: 2009 – 2012
    • Regionalkonferenzen in jedem Staatlichen Schulamt Weiterentwicklung der regionalen FÖZ zum Kompetenz- und Beratungszentrum
    • Regionale Vernetzung von Grundschulen, Regelschulen und Gymnasien mit Förderzentren zum besseren Transfer sonderpädagogischer Kompetenzen im Gemeinsamen Unterricht
    • Veränderung der Verwaltungsvorschrift hinsichtlich der Zuweisung der Stunden für sonderpädagogische Förderung
    • August 2008: Herausgabe „Fachliche Empfehlung für Schüler mit besonderen Lernschwierigkeiten in der allgemein bildenden Schule (außer Förderschule)“
    • Mai 2008: Herausgabe „Fachliche Empfehlung Sonderpädagogische Förderung in Thüringen“
    • März bis Mai 2008: Regionalkonferenz in jedem Staatlichen Schulamt, Vorstellung der Ergebnisse der Expertise „Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für das Gelingen des GU an allgemein bildenden Schulen“ für den jeweiligen Schulamtsbereich
    • April 2008: Gründung der „Thüringer Forschungs- und Arbeitsstelle für den Gemeinsamen Unterricht“ www.gu-thue.de
    • Februar 2008: Bildung von Steuergruppen „WFG – Weiterentwicklung der Förderzentren und des Gemeinsamen Unterrichts“ an jedem Schulamt; Mitglieder der WFG: Referenten des Staatlichen Schulamts, Berater Gemeinsamer Unterricht, Jugend- und Sozialamt, Schulträger
    • Januar 2008: Entwicklung des „Konzepts zur Stärkung der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und/oder besonderen Lernschwierigkeiten im Gemeinsamen Unterricht“, 4 Handlungsfelder: Stärkung des Gemeinsamen Unterrichts; Weiterentwicklung sonderpädagogischer Diagnostik; vorschulische Einrichtungen; Verhältnis von sonderpädagogischem Förderbedarf und Lernschwierigkeiten)
    • 13. November 2007: Konferenz aller Förderschulleiter mit Minister Prof. J. Goebel zum Paradigmenwechsel und der Umsetzung des Vorrangs des Gemeinsamen Unterrichts. Vorstellung der ersten Ergebnisse der Expertise von Frau Prof. A. Sasse/Ursula Schulzeck
    • Pilotprojekt „Optimist“ Optimierte Stundenzuweisung für den Gemeinsamen Unterricht - Laufzeit: Schuljahr 2007/2008 (2 Projektschulen)
    • Dezember 2005: Thüringer Kindertageseinrichtungsgesetz (ThürKitaG) betont das Recht von Kindern mit Behinderungen/Beeinträchtigungen auf gemeinsame Erziehung und Förderung mit Kindern ohne Behinderungen
    • 16. Dezember 2005: Gesetz zur Integration und Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen (§ 12 Recht auf Gemeinsamen Unterricht)
    • Wissenschaftliche Begleitung durch Frau Prof. A. Sasse (Universität Erfurt) und Frau U. Schulzeck
    • Beginn der Expertise „Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für das Gelingen des Gemeinsamen Unterrichts an den allgemein bildenden Schulen in Thüringen“
    • Etablierung der Gruppe der Berater für den Gemeinsamen Unterricht (mindestens zwei Berater für den Gemeinsamen Unterricht je Schulamtsbereich)
    • jährliche Durchführung eines landesweiten Integrationstages in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Landesarbeitsgemeinschaft „Gemeinsam leben - gemeinsam lernen Thüringen e.V.“
    • Novellierung des Förderschulgesetzes
    • Novellierung der Verordnung zur sonderpädagogischen Förderung
    • Vorrang des zielgleichen und zieldifferenzierten Gemeinsamen Unterrichts
    • Einführung der veränderten Schuleingangsphase als Grundlage, allen Kindern das Lernen in einer Grundschule zu ermöglichen

Antworten zum Gemeinsamen Unterricht

  • Im Gemeinsamen Unterricht lernen Schüler mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf sowie Schüler mit und ohne Behinderungen gemeinsam. Ziel des Gemeinsamen Unterrichts ist das Erreichen der Lernziele des Bildungsganges, den der Schüler besucht. 


  • Der Schulleiter des Förderzentrums verantwortet in Absprache mit dem Schulleiter der allgemeinen Schule die Vergabe der Stunden für die Förderschullehrer und SPF und übernimmt damit auch Verantwortung für die Schüler mit Sonderpädagogischem Förderbedarf im Gemeinsamen Unterricht. Grund- und weiterführende Schulen erhalten personelle Unterstützung durch Förderschullehrer und Sonderpädagogische Fachkräfte (SPF).

    Thüringer Förderzentren mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache, emotionale und soziale Entwicklung haben mit den Grund- und weiterführenden Schulen ihres regionalen Umfeldes Netzwerke gebildet.
    Das Förderzentrum erhält neben den Stunden für die Arbeit im Förderzentrum auch die Lehrerstunden und Stunden der Sonderpädagogischen Fachkräfte für den Gemeinsamen Unterricht an den Schulen des Netzwerkes.
    In jedem Staatlichen Schulamt gibt es eine Steuergruppe ("Weiterentwicklung der Förderzentren und des Gemeinsamen Unterrichts - WFG"), in der die Schulämter, die Schulträger und Vertreter der Sozial-, Jugend- und Gesundheitsämter zusammen arbeiten und rechtzeitig vor der Einschulung beraten, welche Bedingungen notwendig sind, um dem Kind ein erfolgreiches Lernen zu ermöglichen.
    An jedem Staatlichen Schulamt gibt es einen Berater für Gemeinsamen Unterricht als Ansprechpartner für Eltern und Schulen.

    In allen Schulämtern besteht die Möglichkeit, die Angebote eines breitgefächerten Unterstützungssystems in Anspruch zu nehmen sowie regionale und überregionale Fortbildungsangebote zu nutzen.
     
     Thüringer Schulämter
     Thueringer Institut fuer Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien

  • Ziel der Schuleingangsphase (Link auf Flyer) ist es, allen Kindern die Chance zum Lernen in der Grundschule zu eröffnen, sie altersgerecht einzuschulen und ihnen individuell ausreichend Zeit zur schulischen Entwicklung zu geben. Die Schuleingangsphase der Grundschule umfasst die Klassenstufen 1 und 2, die eine inhaltliche Einheit bilden. Die Verweildauer von zwei Jahren kann dem Entwicklungsstand des Schülers entsprechend auf ein Jahr verkürzt oder auf drei Jahre verlängert werden. Dadurch soll jedes Kind gestärkt werden. Durch eine sich an den Begabungen des Kindes orientierende, geeignete Förderung werden dessen Bildungschancen verbessert.

    Insbesondere die Schuleingangsphase in der Grundschule als erster gemeinsamer Lernort aller Kinder aber auch der Gemeinsame Unterricht erfordert:

    • eine zielgerichtete, systematisierte, kindorientierte Gestaltung des Schulalltages,
    • die Kooperation von Lehrern, Sonderpädagogen und Erziehern,
    • eine Didaktik mit offenen Unterrichtsformen und einem hohen Grad der Differenzierung, die selbst gesteuertes Lernen, individuelle Lernzugänge und eine integrative Förderung ermöglicht,
    • einen sorgfältig durchgeführten Erstunterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen, der vielfältige Sinneserfahrungen ermöglicht
    • einen Unterricht, der durch Methodenvielfalt und Individualität gekennzeichnet ist,
    • einen Unterricht, der die einzelnen Stufen und Phasen der Lehrgänge gründlich sichert und basale Komponenten integriert (Fachliche Empfehlung zu Fördermaßnahmen für Kinder und Jugendliche mit besonderen Lernschwierigkeiten in den allgemein bildenden Schulen (außer Förderschulen)in Thüringen,
    • die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern,
    • die enge Kooperation mit außerschulischen Partnern im Sozialraum
  • Schulische Lernanforderungen bewältigen Kinder auf der Basis ihrer bis dahin entfalteten Fertigkeiten und Fähigkeiten, ihrer sozialen und emotionalen Erfahrungen und ihrer individuellen Disposition unterschiedlich.
    In einzelnen Fällen treten Probleme beim Sprechen, Lesen und Schreiben (Schriftspracherwerb), beim Rechnen und in mathematischen Lernprozessen und im Verhalten auf. Diese Lernschwierigkeiten können ohne besondere Fördermaßnahmen nicht bewältigt werden. Erschwerend können bei einzelnen dieser Kinder zeitweise physische und psychische Probleme (Erkrankung, Entwicklungsstörung, familiäre Probleme usw.) oder sprachliche Probleme, z. B. bei Kindern nichtdeutscher Muttersprache, hinzukommen.
    Die Ursachen für diese besonderen Lernschwierigkeiten sind vielschichtig, individuell vielfältig und unterschiedlich ausgeprägt, denn sie sind Ausdruck der komplexen Lernbiographie und der Lebenssituation jedes einzelnen Kindes.
    Aufgabe jedes Lehrers und Erziehers ist es, Schüler mit besonderen Lernschwierigkeiten individuell, vor allem unterrichtsimmanent und ganzheitlich zu fördern. In einzelnen Fällen erweisen sich Intensiv- und Intervallkurse notwendig.
    Alle Fördermaßnahmen haben zum Ziel, die Stärken der Kinder und Jugendlichen bewusst zu machen, diese auch kompensierend einzusetzen, Erfolgserlebnisse zu ermöglichen, die Lernmotivation zu fördern, Lernstrategien und Arbeitstechniken zu vermitteln sowie
    Verhaltensweisen einzuüben, um mit den vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten gestellte Anforderungen besser bewältigen zu können.
    Die Förderung wird durch das Führen eines verbindlichen Förderplans dokumentiert. Bei einzelnen Kindern und Jugendlichen kann Förderung an Grenzen stoßen, so dass Schule Hilfe leisten muss, wie mit dieser besonderen Lernschwierigkeit auch nach Beendigung der Schulzeit erfolgreich umgegangen werden kann.

  • Der Förderplan beschreibt, welche konkreten Ziele in Bezug auf Bildungsstandards und Lehrpläne erreicht werden sollen. Er dokumentiert, welche schulorganisatorischen Veränderungen notwendig sind, um die Entwicklung des Schülers zu unterstützen. Die Förderziele sind immer auf die Erweiterung der Handlungskompetenzen des Kindes oder Jugendlichen gerichtet.
    Der Förderplan ist für Lehrer, Erzieher und Eltern das wichtigste förderdiagnostische Planungs- und Reflexionsinstrument für die individuelle Förderung von Schülern mit pädagogischem und sonderpädagogischem Förderbedarf. Aus dem diagnostischen Prozess ergeben sich Informationen für die weiterführende pädagogische Förderung. Gleichzeitig sichert der Förderplan die Einschätzung der getroffenen Maßnahmen im Zusammenhang mit den Entwicklungsfortschritten des Schülers.
    Eltern werden von Beginn der Erstellung des Förderplans beteiligt und in die Planung und Erfüllung der Aufgaben aktiv einbezogen. Der Schüler ist an der Förderplanung beteiligt. Im Förderplan werden in einem konkreten zeitlichen Rahmen die Ziele und Aufgaben der Verantwortlichen festgeschrieben.

  • Von besonderen Lernschwierigkeiten zu unterscheiden ist sonderpädagogischer Förderbedarf. Dieser meint erhebliche Probleme beim Lernen oder in der Entwicklung, die im Vergleich zu Lernschwierigkeiten umfassender, schwerwiegender und länger anhaltend sind.

    Sonderpädagogischer Förderbedarf ist bei Kindern und Jugendlichen anzunehmen, die in ihren Bildungs-, Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten derart beeinträchtigt oder behindert sind, dass sie im Unterricht der Grundschule, der weiterführenden allgemein bildenden Schulen ohne sonderpädagogische Unterstützung nicht hinreichend gefördert werden können.

    Nicht jedes Kind mit physischen oder psychischen Behinderungen hat auch sonderpädagogischen Förderbedarf. Behinderungen werden von medizinischer Seite festgestellt. Sonderpädagogischer Förderbedarf umfasst die Maßnahmen im schulischen Umfeld, die unternommen werden müssen, um die Auswirkung der Behinderung im pädagogischen Bereich zu mindern oder zu beheben.

  • Sonderpädagogen sind verantwortlich für sonderpädagogische Förderung und Beratung. Ihre vorrangige Aufgabe ist es, durch Beratung und Förderung ein weiteres Verbleiben der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf am angestammten Lernort zu ermöglichen.

    Die Aufgaben der Sonderpädagogen im Mobilen Sonderpädagogischen Dienst umfassen insbesondere folgende Bereiche:

    • Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs,
    • Beratung von Eltern und Pädagogen,
    • sonderpädagogische Förderung im Gemeinsamen Unterricht.

    Der sonderpädagogische Förderbedarf wird durch eine lernzielorientierte Diagnostik (Kind-Umfeld-Analyse) ermittelt. Dabei wird besonderer Wert auf die Wechselwirkung zwischen Person und Umfeld und besonders die Bedeutsamkeit dieser Beziehungen für eine erfolgreiche Entwicklung gelegt. Es geht nicht allein um die einmalige Beschreibung des aktuellen Entwicklungs- und Leistungsstandes eines Schülers (Situationsanalyse), sondern vielmehr um eine Diagnostik, die den Lern- und Förderprozess (Förderplan) begleitet.

    Die Kind – Umfeld - Analyse erfolgt in Situationen gemeinschaftlichen oder individuellen Lernens und Lebens, in Gesprächen bzw. Befragungen oder in der Beobachtung bei der Bewältigung von Aufgaben. Bei manifesten Behinderungen wie zum Beispiel Sehen oder Hören wird ausgehend von der medizinischen Diagnose ermittelt, ob und welcher sonderpädagogischer Förderbedarf und welche Fördermaßnahmen notwendig sind.

  • Das Sonderpädagogische Gutachten ist die Grundlage der sonderpädagogischen Förderung. Es dokumentiert den sonderpädagogischen Förderbedarf, leitet nachvollziehbar daraus den Förderschwerpunkt ab, beschreibt die nächsten Förderansätze und empfiehlt den Bildungsgang sowie einen konkreten Förderort. Besonderer Wert wird auf die Prüfung der Veränderung der Rahmenbedingungen im schulischen Umfeld gelegt, mit Blick auf zu schaffende förderliche Bedingungen, die das Kind braucht, um erfolgreich lernen zu können. Ein Sonderpädagogisches Gutachten kann auch belegen, dass sonderpädagogischer Förderbedarf nicht oder nicht mehr vorliegt.

    Veränderungen des Lernortes, des Bildungsganges oder des sonderpädagogischen Förderbedarfs erfordern ein neues sonderpädagogisches Gutachten.

    Im Team zur Qualitätssicherung der sonderpädagogischen Begutachtung (TQB) arbeiten Sonderpädagogen der Mobilen Sonderpädagogischen Dienste. Sie sind verantwortlich für zu erstellende Erstgutachten in Zusammenarbeit mit den Sonderpädagogen, die im Gemeinsamen Unterricht arbeiten.

  • Im Sonderpädagogischen Gutachten wird der dominierende sonderpädagogische Förderbedarf festgelegt und eine Empfehlung für den Bildungsgang gegeben. Die Lernziele leiten sich vom jeweiligen Bildungsgang ab, in welchem der Schüler aufgrund seines sonderpädagogischen Förderbedarfs aufgenommen wurde.

    In der Regel werden die sonderpädagogischen Förderschwerpunkte Hören, Sehen, körperliche und motorische Entwicklung, Sprache und emotionale und soziale Entwicklung in den Bildungsgängen der Grund- und weiterführenden Schulen (zielgleich) unterrichtet. Das bedeutet, dass Schüler mit diesen sonderpädagogischen Förderschwerpunkten nach den gleichen Lehrplänen und Lernzielen lernen.

    Schüler mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf Lernen und geistige Entwicklung werden in den Bildungsgängen

    • Bildungsgang zur Lernförderung (Klasse 3 bis 9),
    • Bildungsgang zur individuellen Lebensbewältigung (Klasse 1 bis 12)

    unterrichtet. Für diese Schüler werden andere Lernziele (zieldifferent) definiert und eigene Lehrpläne zu Grunde gelegt.

  • Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die zielgleich unterrichtet werden, können den Haupt- und Realschulabschluss, das Abitur und die Abschlüsse der berufsbildenden Schulen erreichen.

    Im Rahmen des lernzieldifferenzierten gemeinsamen Unterrichts lernen Schüler innerhalb einer Klasse in unterschiedlichen Bildungsgängen und erreichen unterschiedliche Abschlüsse:

    • Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf Lernen: Abschluss der Lernförderung,
    • Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf geistige Entwicklung beenden ihre Schulpflicht nach zwölf Jahren oder nach gewährter Schulzeitverlängerung und erhalten ein Abschlusszeugnis, das die individuelle Entwicklung der Persönlichkeit beschreibt.
  • Im Gemeinsamen Unterricht erhalten die Schüler das Zeugnis der besuchten Schule und des Bildungsganges, in dem sie unterrichtet werden.

    Erreichen lernzieldifferent unterrichtete Schüler in einzelnen Bereichen die gleichen Lernziele wie ihre Mitschüler ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, wird dies im Zeugnis in den Bemerkungen dokumentiert.

  • Eltern werden von Beginn des Prozesses zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs bis zum Abschluss des sonderpädagogischen Gutachtens einbezogen, beraten und hinsichtlich des Lernortes angehört.
    Sind die Eltern mit den Ergebnissen und Festlegungen des sonderpädagogischen Gutachtens nicht einverstanden, wird eine Aufnahmekommission am Staatlichen Schulamt in die abschließende Entscheidung einbezogen.

  • Die pädagogische Arbeit an der Förderschule hat die Integration der Schüler während und nach der Schulzeit zum Ziel. Somit ist die Förderschule nur eine „Durchgangsschule“, die durch zeitweise besondere Unterstützung und Begleitung den Schülern ermöglicht, einen anerkannten Schulabschluss zu erwerben. Bei Wegfall des Bedarfs der Unterrichtung an einem Förderzentrum ist die weitere Beschulung in einer allgemeinen Schule vorzusehen.

  • Durch das Schreiben vom 30.06.2011 „Gemeinsamer Unterricht – Modifizierung der Stundentafeln im GU“ ist festgelegt, dass im Gemeinsamen Unterricht die Stundentafeln der Grund- und Regelschule gelten und dass ergänzend ein Kontingent an Förderstunden zugewiesen wird, das es ermöglicht, ein sinnvolles Fördersystem für Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten sowie mit sonderpädagogischem Förderbedarf an jeder Schule vorzuhalten. Festgeschrieben ist lediglich die Anzahl an Angeboten zur Förderung für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Lernen in den verschiedenen Jahrgangsstufen, die in einem Förderplan dokumentiert und bei der Gutachtenfortschreibung auf ihre Wirksamkeit geprüft werden müssen. Diese Angebote sind in der Regel unterrichtsimmanent und nur in Ausnahmefällen additiv zu organisieren. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass eine Beteiligung am Englischunterricht zu ermöglichen ist. Zeitweise können jedoch auch ergänzende Förderangebote parallel zum Englischunterricht sinnvoll sein.

Praxishilfen

Hinweis:
Einige Veröffentlichungen sind nur als Download verfügbar.
Bestellbare Publikationen finden Sie in unserem Publikationsverzeichnis.

Strategiepapier zur Inklusion
Hoff/Ohler: "Die nächste Phase der Inklusion in den Thüringer Schulen gestalten: Auf Erreichtes stolz sein – Stärken stärken – Mit Augenmaß gestalten", Erfurt 2017
2017-04-06 Strategiepapier Inklusion

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Leitlinien für Schüler mit Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung
Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend  und Sport; 2018

bestellbar

Handreichung für den Gemeinsamen Unterricht. Praxishilfe
Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, 2013

bestellbar

Fachlichen Empfehlung zur Gestaltung von individuellen Lernprozessen
im Kontext der individuellen Abschlussphase an Thüringer Schulen

Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, 2013
Publikationen des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen
Nicht ohne uns. Broschüre zum Gemeinsamen Unterricht
von Schülern für Sdchüler

Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, 2011
Inklusion: Leitlinien für die Bildungspolitik
Deutsche UNESCO-Kommission, 2010
Praxishilfen für die Integration von Schülern mit geistiger Behinderung und weiteren Behinderungen
weitere Praxishilfen der
Thüringer Forschungs- und Arbeitsstelle für den Gemeinsamen Unterricht / Inklusion
Fachliche Empfehlung zur sonderpädagogischen Förderung in Thüringen
Thüringer Kultusministerium, 2008
Elke Hohnstein: Ich kann schreiben
Eine methodische Handreichung für PädagogInnen im Gemeinsamen Unterricht, 2007

 

Arbeitshilfe Sicherstellung Hilfebedarf
Die Sicherstellung des besonderen Hilfebedarfs für Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung während des Schulbesuchs einschließlich der Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs und der Leistungsgewährung durch den öffentlichen Sozial- oder Jugendhilfeträger

2015-11 Final Arbeitshilfe Sicherstellung Hilfebedarf

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