Lehrerin mit Grundschülern

Die Ganztagsschule in Thüringen

Die Weiterentwicklung von Unterrichts- und Schulqualität steht seit der systematischen Durchführung von Schulleistungsvergleichen (z. B. PISA, IGLU, IQB-Bildungstrends) und deren detaillierter Auswertung verstärkt  im Fokus der Bildungspolitik. Die Verbesserung der Bildungschancen und der individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen sind dabei wesentliche Ziele. Darüber hinaus gilt ein Augenmerk der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Gestaltung von Ganztagsangeboten ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Baustein, Schülerinnen und Schüler ganzheitlich in den Blick zu nehmen und ihre persönlichen Voraussetzungen aufzugreifen, zu nutzen und zu fördern. Ganztagsangebote bieten u. a. durch die Rhythmisierung des Schultages, die Gestaltung von individuellen Lernzeiten und den Unterricht ergänzende Lerngelegenheiten ein entscheidendes Potential, das selbstständige Lernen und Arbeiten der Schülerinnen und Schüler zu fördern sowie deren Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Zusätzliche Aktivitäten werden angeboten und geben den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ihre bzw. seine besonderen Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten.

Organisationsformen

Die Formen der Organisation als Ganztagsschule wurden durch die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) 2011 definiert. Thüringen legt diese Definition seiner Einteilung der Ganztagsschulen zugrunde.

Dementsprechend gelten Schulen in Thüringen im Primar- und Sekundarbereich als Ganztagsschulen, wenn sie die folgenden Kriterien erfüllen:

  • an mindestens drei Tagen in der Woche wird ein ganztägiges Angebot für die Schülerinnen und Schüler bereitgestellt, das täglich mindestens sieben Zeitstunden umfasst;
  • an allen Tagen des Ganztagsschulbetriebs wird den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern ein Mittagessen bereitgestellt;
  • die Ganztagsangebote werden unter der Aufsicht und Verantwortung der Schulleitung organisiert und in enger Kooperation mit ihr durchgeführt. Des Weiteren stehen sie in einem konzeptionellen Zusammenhang mit dem Unterricht.

Thüringer Schulen haben grundsätzlich die Möglichkeit, in offener, teilweise gebundener oder gebundener Form als Ganztagsschule zu arbeiten. Die Entscheidung, welche Organisationsform eine Schule zur Ausgestaltung des Ganztags wählt, liegt bei der Einzelschule. Je nach Organisation der Ganztagsbetreuung werden drei Organisationsformen unterschieden:

offene Ganztagsschule

Einzelne Schülerinnen und Schüler können auf Wunsch an den ganztägigen Angeboten der Schule teilnehmen. Für die Schülerinnen und Schüler ist ein Aufenthalt, verbunden mit einem Bildungs- und Betreuungsangebot in der Schule, an mindestens drei Wochentagen im Umfang von täglich mindestens sieben Zeitstunden möglich.

teilweise gebundene Ganztagsschule

Ein Teil der Schülerinnen und Schüler (z. B. einzelne Klassen oder Klassenstufen) verpflichtet sich, an mindestens drei Wochentagen für jeweils mindestens sieben Zeitstunden an den ganztägigen Angeboten der Schule teilzunehmen.

vollgebundene Ganztagsschule

Alle Schülerinnen und Schüler sind verpflichtet, an mindestens drei Wochentagen für jeweils mindestens sieben Zeitstunden an den ganztägigen Angeboten der Schule teilzunehmen.

Ganztagsgestaltung in Thüringen

Grundlage für die Ausgestaltung des Ganztags ist ein schulspezifisches Ganztagsschulkonzept. Darin beschreibt die Schule u. a. die Gestaltung der Rhythmisierung des Schultages, Festlegungen zu den individuellen Lernzeiten am Vor- oder Nachmittag sowie zur Zusammenarbeit mit den außerschulischen Kooperationspartnern. Über die Angebote entscheidet die Schulkonferenz, in der Pädagogen, Lernende und Eltern vertreten sind. Durch die Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern besteht für diese die Möglichkeit, ihre Vorstellungen in die Gestaltung des Ganztags mit einzubringen. Zur Durchführung erfolgen Absprachen und Vereinbarungen zwischen der Schule, dem Schulträger und dem zuständigen Staatlichen Schulamt. Somit entsteht das Konzept in einem dialogischen Prozess aller beteiligten Ebenen. Dies fördert die systematische Schulentwicklung sowie die Akzeptanz und breite Unterstützung der Schule und deren Vernetzung im regionalen Umfeld.

Die Teilnahme an den ganztägigen Angeboten in allen Schularten ist jeweils durch die Schülerinnen und Schüler sowie deren Erziehungsberechtigten für mindestens ein Schulhalbjahr zu erklären.

Primarbereich

Ein Schwerpunkt der ganztägigen Betreuungsangebote in Thüringen wird im Primarbereich mit dem Schulhort umgesetzt. Im Thüringer Schulgesetz ist ein gesetzlich verankerter Anspruch auf außerunterrichtliche Bildung, Betreuung und Förderung der Schülerinnen und Schüler in der Primarstufe in einem Schulhort, der organisatorischer Teil der Schule ist, von montags bis freitags im Umfang von 10 Stunden unter Anrechnung der Unterrichtszeit garantiert. In den Schulhorten arbeitet ausgebildetes Fachpersonal und gestaltet umfangreiche und vielfältige Bildungs-, Betreuungs- und Förderangebote. Der Besuch der Schulhorte ist freiwillig. Damit gestalten Schulen in der Primarstufe den Schulalltag in der Regel als offene Ganztagsschulen.

Sekundarbereich

Im Sekundarbereich sind ca. ein Drittel der Thüringer Schulen Ganztagsschulen. Die Hälfte davon sind teilweise gebundene oder gebundene Ganztagsschulen.

Zur Gestaltung der außerunterrichtlichen Angebote arbeiten die Schulen eng mit Partnern aus ihrem schulischen Umfeld zusammen. Sie nutzen u. a. die Kooperation mit anerkannten Trägern der Jugendhilfe, lokalen Sportvereinen und Personen aus dem musisch-künstlerischen sowie handwerklichen Bereich.

Die weiterführenden allgemein bildenden Schulen, die sich auf den Weg zur teilweise gebundenen oder gebundenen Ganztagsschule gemacht haben bzw. machen, erhalten eine Unterstützung durch die Zuweisung zusätzlicher Lehrerwochenstunden sowie durch die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner am Thüringer Ministerium für Jugend, Bildung und Sport (TMBJS) und am Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM).

Finanzierungsmöglichkeiten

Schulbudget

Seit dem Schuljahr 2018/19 erhalten Thüringer Schulen eine finanzielle Zuweisung pro Schülerin und Schüler. Diese Gelder können u. a. für außerunterrichtliche Maßnahmen eingesetzt werden. Im Thüringer Schulportal sind die wichtigsten Informationen und notwendigen Dokumente dazu hinterlegt.

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Richtlinie „Örtliche Jugendförderung“

Die hierin zur Verfügung gestellten Gelder stehen zur „...Förderung und Unterstützung der örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe bei der Erfüllung ihrer nach §§ 79 Abs. 1, 85 Abs. 1 i. V. m. §§ 1 Abs. 3, 11 - 14, 52 Abs. 2, 81 des Achten Buches Sozialgesetzbuch - Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII1) bestehenden Aufgaben der Planung, Bereitstellung und Förderung von bedarfsgerechten Angeboten in den Bereichen Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit, Jugendsozialarbeit und Kinder- und Jugendschutz einschließlich entsprechender Maßnahmen innerhalb von Schulen sowie in Zusammenarbeit mit der Schule ... .“ (vgl. Abs. 1) zur Verfügung.

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Ansprechpartnerinnen

Landeskoordination Ganztag am TMBJS

Marion Loch
Fon: 0361 57 - 341 18 89
Marion.Loch@tmbjs.thueringen.de

Fortbildung am ThILLM

Katrin Zwolinski
Fon 036458 56 - 289
Katrin.Zwolinski@thillm.de

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