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GUT GEHT'S

Gesundheitsmanagement an Thüringer Schulen

 

Das Programm GUT GEHT`S soll die Gesundheit und die Lebensqualität des pädagogischen Personals in Thüringen steigern. Ein Schwerpunkt liegt zunächst auf den psychischen Belastungen, denn diese können an die Substanz der Menschen gehen.

Das Berufs- und Privatleben hat an Tempo und Vielfalt zugelegt. So werden die Aufgaben und Ansprüche an die Menschen zahlreicher und komplexer. Deshalb sollte die Gesundheit im Zusammenspiel möglichst aller Einflüsse betrachtet werden. Der Arbeitgeber möchte dafür die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.

Mit einem ganzheitlichen Ansatz werden bis zum ersten Quartal 2020 die Belastungen an den Schulen erfasst. Das Ziel ist, passgenaue Gesundheitsmaßnahmen zu entwickeln. Denn nur ein gesundes und starkes Team kann die Herausforderungen in den Schulen meistern.

Darüber hinaus werden weitere Maßnahmen und Fortbildungsangebote unter dem Namen GUT GEHT´S gebündelt. Der Name ist Anspruch und Ziel zugleich und soll dem gesamten pädagogischen Personal die Möglichkeit geben etwas für sich zu tun. So soll auch die Freude an der Lehre gestärkt werden.


Leitfaden für die GUT GEHT´S-Gesprächsrunden. Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung

Vorlagen

Vertiefende Informationen: Broschüre „Psychische Arbeitsbelastung und Gesundheit“ vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Rahmendienstvereinbarung Gesundheitsmanagement (28.09.2016)

1. Was sind die Ziele des Gesundheitsmanagements GUT GEHT´S?

GUT GEHT´S soll die Gesundheit und Lebensqualität des pädagogischen Personals in Thüringen steigern. Das Gesundheitsmanagement wird Maßnahmen hervorbringen, die auf die Bedürfnisse des pädagogischen Personals zugeschnitten sind. Ein Schwerpunkt liegt auf den psychischen Belastungen und Beanspruchungen: Die Anforderungen an das pädagogische Personal haben zugenommen – beruflich und privat. Hier möchte GUT GEHT´S ansetzen und Angebote schaffen, um sich als starkes pädagogisches Team weiterzuentwickeln. Die Maßnahmen werden wir aus den zentralen GUT GEHT’S-Workshops ableiten.

2. Was versteht man unter psychischer Belastung?

Psychische Belastung wird verstanden als die Gesamtheit der erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und auf ihn psychisch einwirken. Sie sind neutral und mit jeder Tätigkeit verbunden (Definition nach DIN EN ISO 10075-1 Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung). Psychisch wirken bedeutet, dass Fühlen, Denken und Handeln verändert werden.

3. Was versteht man unter psychischer Beanspruchung?

Psychische Beanspruchung wird verstanden als die individuelle und unmittelbare Auswirkung psychischer Belastung auf den Beschäftigten, z.B. auf seine Aufmerksamkeit, Denk- und Gedächtnisleistung, Gefühle und Empfindungen, in Abhängigkeit von seinen individuellen Ressourcen. Die Auswirkung kann positiv oder negativ sein (Definition nach DIN EN ISO 10075-1). Beanspruchungsfolgen sind langfristige Auswirkungen dauerhafter psychischer Beanspruchung. Diese können ebenfalls positiv oder negativ sein.

4. Wieso muss die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung durchgeführt werden?

Wir legen mit GUT GEHT´S einen Schwerpunkt auf die psychischen Belastungen, denn diese sind besonders ernst zu nehmen, da sie an die Substanz der Menschen gehen. Auch der Gesetzgeber hat erkannt, dass die psychischen Belastungen heute ein besonderes Augenmerk verlangen. So sind wir als Arbeitgeber dazu verpflichtet (vgl. § 5 Abs. 3 Nr. 6 Arbeitsschutzgesetz), eine Gefährdungsbeurteilung zur psychischen Belastung des pädagogischen Personals in Thüringen durchzuführen. Der erste Schritt in diesem Prozess sind die GUT GEHT´S-Gesprächsrunden in den Schulen.

5. Was sind GUT GEHT´S-Gesprächsrunden?

Die rund zweistündigen GUT GEHT´S-Gesprächsrunden sollen aufzeigen, welche Themen das pädagogische Personal in Thüringen vor Ort bewegen. Sie sind der erste Prozessschritt in der psychischen Gefährdungsbeurteilung. Die Ergebnisse aus den Gesprächsrunden werden in – extern moderierten – zentralen GUT GEHT´S-Workshops weiter vertieft.

6. Ist die Teilnahme an der GUT GEHT`S-Gesprächsrunde verpflichtend?

Es sind bereits Pilotveranstaltungen erfolgt, worin die ausgewählten Schulen Erfahrungen sammeln konnten. Hierauf bauen wir auf. Der Gesetzgeber verlangt von uns eine Beurteilung der Gefährdungen, auch die der psychischen Belastungen (vgl. § 5 ArbSchG, Ziffer 6). Daher haben wir uns entschieden, die zweite Phase verpflichtend für eine repräsentative Auswahl zu gestalten.

7. Wie erfolgt die Moderation der GUT GEHT´S-Gesprächsrunde?

Eine Kollegin/ein Kollege übernimmt die Moderation. Im Anschluss an die GUT GEHT´S-Gesprächsrunde wird eine Repräsentantin/ein Repräsentant für einen zenralen GUT GEHT´S-Workshop bestimmt. Weiteres entnehmen Sie bitte dem Leitfaden für die Moderation, welcher den teilnehmenden Schulen zugesendet wird.

8. Wie sind die Verantwortlichkeiten für die GUT-GEHT`S-Gespräche geregelt?

Die Schulleiterin/der Schulleiter hat die Gesamtverantwortung für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung, nimmt selbst jedoch nicht an der GUT GEHT´S-Gesprächsrunde teil. Die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der GUT-GEHT`S-Gesprächsrunde liegt bei der Moderatorin/dem Moderator. Die Repräsentantin/der Repräsentant vertritt die Schule bei den zentralen GUT-GEHT`S-Workshops.

9. Was sind die zentralen GUT GEHT´S-Workshops?

In den extern moderierten und zentralen GUT GEHT´S-Workshops werden die Themen aus den GUT GEHT´S-Gesprächsrunden weiter vertieft. Dazu werden Repräsentantinnen und Repräsentanten aus den Schulen eingeladen, die an einer GUT GEHT´S-Gesprächsrunde teilgenommen haben. Die Schulleiterinnen und Schulleiter werden ebenfalls an – separaten – zentralen Workshops teilnehmen.

10. Wie kann die Anonymität der Pädagoginnen/Pädagogen gewährleistet werden?

Die Ergebnisprotokolle der Schulen werden nach Schulämtern zusammengeführt, anonymisiert und durch einen externen Dienstleister (B·A·D GmbH, Thüringen) ausgewertet.

11. Woher bekomme ich weitere Informationen?

Die B·A·D GmbH betreut die GUT GEHT´S-Helpline. Die Erreichbarkeit entnehmen Sie bitte dem Leitfaden für die GUT GEHT´S-Gesprächsrunden. Darüber hinaus können Sie Ihr Anliegen auch per E-Mail an bad-2410@bad-gmbh.de richten.

Weiterführende Informationen zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung finden Sie in den vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales herausgegebenen Broschüren :

Im Interview: Dr. Weniger über Stress, Gesundheit und Achtsamkeit

  • Stress ist eine natürliche Reaktion auf psychische oder körperliche Belastungen, die sich auf verschiedenen Ebenen auswirkt: Körper, Kognition, Verhalten und Gefühle. Es ist eine sinnvolle Schutzreaktion auf einen äußeren Reiz. Man kann Stress nicht verallgemeinern, denn es ist etwas Subjektives und erst durch unsere individuelle Interpretation oder Verarbeitung des sogenannten Stressors zum eigentlichen Stress wird. Die Situation X kann für Person A schon Stress bedeuten, während Person B sich in der gleichen Situation gerade erst stimuliert fühlt.

    Diese Interpretationen werden in der Psychologie oft Innere Antreiber oder Glaubenssätze genannt und sind aufgrund unserer Erfahrungen entstanden. Klassische Stressantreiber sind: „Ich muss alles perfekt machen, sonst bin ich nichts wert.“ oder „Ich muss es allen recht machen, sonst werde ich nicht geliebt.“

     

  • Ein erster Schritt ist, seine eigenen Stresssignale kennenzulernen. Man sollte die ersten Anzeichen kennen und wissen, welche Signale mit zunehmendem Stress hinzukommen.

    Auch sollte man ein Gefühl für die eigene Grundanspannung bekommen und wissen, wie man diese beeinflussen kann. Die Grundanspannung kann mit einem Fass verglichen werden: Je leerer das Fass ist, desto niedriger die Grundanspannung und umso mehr situativen Stress kann ich hineinkippen, ohne dass das Fass überläuft.

    Ein weiterer Schritt besteht darin, zu wissen, was einem hilft, die Grundanspannung niedrig zu halten, und mit situativem Stress umzugehen.

    Hierbei spielen Ressourcen eine große Rolle. Das sind einerseits Dinge, die uns Energie geben, uns entspannen und uns guttun. Das können regelmäßige Entspannungsübungen, Hobbies, Freunde und Unternehmungen sein. Andererseits ist hiermit die Resilienz gemeint. Resilienz kann man sich wie einen Werkzeugkoffer vorstellen, gefüllt mit Aspekten, die einem helfen, Krisen und Stress zu meistern und sogar gestärkt aus diesen Situationen herauszukommen. Hierzu gehören: Optimismus, Zukunftsorientierung, Verlassen der Opferrolle, Selbstbewusstsein, Kontaktfreude, Lösungsorientierung, Akzeptanz und emotionale Stabilität. Das kann man sich aneignen, doch leider reicht es nicht nur, diese Eigenschaften zu haben, man muss den Werkzeugkoffer natürlich auch in den eigentlichen Stresssituationen wirklich nutzen.

     

  • Stress wirkt sich auf verschiedene Ebenen aus:

    Auf der körperlichen und biologischen Ebene können Symptome wie Schwindel, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Rücken- und Nackenschmerzen auftreten. Weitere Symptome wie Reizdarm, Sodbrennen, Erschöpfung, nervöse Gestiken, Schwitzen, ein trockener Mund und Kopfschmerzen sind ebenso möglich – auch in Kombination.

    Auf der kognitiven Ebene können sich Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit und Denkblockaden einstellen. Auch das Katastrophendenken ist möglich. Dabei malen sich Menschen zwanghaft die schlimmste Möglichkeit aus, die in einem bestimmten Fall eintreten kann.

    Auf der Gefühlsebene zeigen sich oft Angst, Verunsicherung, Gereiztheit und Nervosität, aber auch Depressionen und Lustlosigkeit oder auch Überforderungsgefühle und Hilflosigkeit.

    Auf der Verhaltensebene können Ratlosigkeit, Entscheidungsunfähigkeit und Antriebsprobleme sowie Schlafstörungen auftreten. Gestresste Menschen neigen auch dazu, mit Frustessen oder Drogen- und Alkoholkonsum zur Ruhe zu kommen.

     

  • Diese ähneln den Auswirkungen von Stress, nur dass sie oftmals weniger intensiv und in niedriger Anzahl auftreten und mit zunehmendem Stress an Intensität und Anzahl steigen.

    Zum Beispiel ist für manche Menschen nervöses Trommeln mit den Fingern, zunehmende Lärmempfindlichkeit, Unkonzentriertheit oder das Gefühl „das geht mir zu langsam“ ein Zeichen für beginnenden Stress. Aber oft zeigen sich erste Anzeichen von Stress, wie zum Beispiel stärkeres Rauchen und die Vernachlässigung von Ressourcen, die uns guttun und Freude bereiten.

     

  • Ja, positiver Stress hat für mich zwei Aspekte: Zum einen ist es so, dass der Körper ein grundsätzliches Stress- oder Erregungsniveau braucht, um zu funktionieren. Es erhöht die Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit, ohne dem Körper zu schaden. Des Weiteren können auch positive Aktivitäten Stress bedeuten, denn oftmals sind es für uns bedeutungsvolle Situationen, die uns fordern und somit auch Stress auslösen. Alleinerziehende berichten oft, dass die Kombination von Kindererziehung und Arbeit zu Stress führt, gleichzeitig ist es aber auch ein Großteil ihrer Identität und ihres Rollenverständnisses. Ohne diese beiden Stressursachen wäre die alleinerziehende Mutter wohl eine ganz andere Person.

    Positiver Stress ist auf Dauer nicht nachteilig für den Menschen. Chronischer negativer Stress kann jedoch sehr wohl krank machen. Negativer Stress wird als unangenehm, bedrohlich und überfordernd empfunden, und gilt als eben dieser, wenn er häufig auftritt und kein Ausgleich erfolgt.

     

  • Das ist etwas sehr Subjektives, da man das tun sollte, was einem persönlich guttut, was den eigenen Akku auflädt, abschalten und entspannen lässt. Oftmals sind es Dinge, die man achtsam ausführt – z. B. ein Spaziergang in der Natur, bewusst mit den Kindern spielen oder auch sein eigenes inneres Kind herauslassen.

     

  • Ich glaube, dass ein großer Teil des heutigen Stresses durch die Erwartungen unserer Gesellschaft entsteht. So vergleichen wir uns über soziale Medien viel stärker mit anderen. Auch hat sich die Leistungserwartung der Gesellschaft und der Arbeitgeber verändert. Zudem ist man heutzutage dauerhaft erreichbar, was sicherlich auch zu vermehrtem Stress führt. Ich glaube, dass man früher viel achtsamer lebte, sich auf das Wesentliche konzentrierte.

     

  • Die Führung hat über verschiedenste Facetten Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeiter. Mitarbeiter sollten weder über- noch unterfordert werden. Somit gilt es, ihnen die Arbeit nach Fähigkeiten und Interessen richtig zuzuweisen. Wenn sich Arbeitnehmer im Job persönlich entfalten können, binden sie sich eher langfristig ans Unternehmen.

    Ob ein Vorgesetzter zu einer Ressource oder Stressquelle wird - also positiven oder negativen Einfluss ausübt – liegt am Führungsstil bzw. Führungsverhalten. So ist es wissenschaftlich nachgewiesen, dass Führungsverhalten Einfluss auf Krankenstand, Arbeitsleistung, Motivation und Arbeitszufriedenheit und den wahrgenommenen Stress am Arbeitsplatz hat. Dies passiert über verschiedene Ebenen:

    • Selbstführung: Geht die Führungskraft als gutes Vorbild voraus? Ist derjenige ein achtsames, resilientes Vorbild?
    • Personale Führung: Wie kommuniziert die Führungskraft? Ist sie wertschätzend?
    • Organisationale Führung: Wie sind die Rahmenbedingungen und Strukturen und werden sie von der Führung positiv beeinflusst?

     

  • Resilienz der einzelnen Teammitglieder macht an sich noch keine Team-Resilienz aus. Um ein Arbeitsteam als resilient zu bezeichnen, geht es einerseits um den Führungsstil der Teamleitung. Zum anderen geht es hier um die Interaktion zwischen den einzelnen Teammitgliedern, also eine resiliente Zusammenarbeit.

    Wichtige Aspekte sind hier soziale Unterstützung, positive Interaktion, der Umgang mit Missverständnissen und Fehlern. Das Team sollte bereit sein, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Der Umgang sollte wertschätzend und anerkennend sein. Es sollte ein Klima von positiven Erwartungen, Neugier und Offenheit herrschen, denn dies fördert ein lösungsorientiertes Arbeiten.

    Neben dieser offenen und bewussten Kommunikation sollten die Mitglieder sich ein konstruktives Feedback geben, um voneinander lernen zu können. Kritische Situationen werden als Meisterungserfahrung und Weiterentwicklungsmöglichkeit gesehen. Konflikte werden aktiv gelöst. Auch die Fähigkeit, Humor in schwierigen Situationen zu zeigen, ist von Bedeutung. Zuletzt sollte nicht vergessen werden, dass eine gemeinsame Identität und einheitliches Verständnis von Zielen bei gleichzeitiger Team-Diversität wichtig sind. Dies alles wird natürlich entscheidend vom Führungsstil beeinflusst.

     

  • Grundsätzlich sollte man sich an die 10 Regeln des gesunden Schlafes halten:

    1. Gehen Sie jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett und stehen Sie morgens um die gleiche Zeit auf, um die biologischen Rhythmen des Körpers aufeinander abzustimmen.
    2. Essen Sie drei Stunden vor dem Schlafengehen keine größeren Mengen. Gehen Sie aber auch nicht hungrig zu Bett.
    3. Trinken Sie drei Stunden vor dem Schlafengehen keinen Alkohol und vier bis acht Stunden vor dem Schlafengehen keine koffeinhaltigen Getränke.
    4. Schlafen Sie mittags nicht länger als 30 Minuten, ansonsten verringert sich der Schlafdruck am Abend.
    5. Bleiben Sie nicht länger als nötig im Bett. Schlafstörungen können durch zu langes Liegenbleiben verstärkt werden.
    6. Rauchen Sie nicht mehr nach 19 Uhr.
    7. Vermeiden Sie körperliche Überanstrengung nach 18 Uhr.
    8. Gestalten Sie Ihre Schlafumgebung angenehm und schlaffördernd.
    9. Schaffen Sie sich eine Pufferzone zwischen Alltag und Zubettgehen.
    10. Vermeiden Sie helles Licht, wenn Sie nachts wach werden, dies kann die innere Uhr umstellen.

    Diese Regeln zielen darauf ab, die biologische Uhr des Schlafes optimal ticken zu lassen. Auch sollte man bei nächtlichem Wachliegen besser aufstehen als im Bett bleiben, da sonst das Bett mit Negativem assoziiert wird.

    Oft höre ich von Patienten, dass das Grübeln sie vom Einschlafen abhält: „Ich darf xy nicht vergessen.“ oder „Was mache ich denn, wenn…?“. Ich rate dann, die Dinge aufzuschreiben. Dann werden sie weder vergessen, noch muss man sie im Kopf behalten. Wichtig ist, danach diese Situationen einmal zu Ende zu denken, also zu einer Lösung zu kommen. Sodann kann man den Grübelgedanken sprichwörtlich verbannen. Auf keinen Fall sollte man wiederholt Schlafmittel nehmen, da diese oft abhängig machen und der Körper verlernt, selbstständig schlafen zu können.

     

  • Ja, das kann man. Auch hier spielen meiner Meinung nach ähnliche Faktoren eine Rolle wie bei dem zunehmenden Stress, verglichen mit früher (soziale Medien, Erwartungshaltung der Gesellschaft etc.). Wenn man es schafft, sich davon loszusagen – es einem egal ist, was andere tun würden, was andere davon halten, wie man lebt – ist eine Entschleunigung einfacher. Natürlich hat jeder Mensch gewisse Verpflichtungen und muss sich an gewisse Konventionen halten. Trotzdem gibt es viele Möglichkeiten – radikale und weniger radikale – sich davon weitestgehend loszusagen.

    Gleichzeitig muss Entschleunigung gar nicht so radikal sein. Wenn man es schafft, sich von Erwartungen abzugrenzen, und gleichzeitig bewusst und achtsam lebt, kann dies schon ein wichtiger Schritt in Richtung Entschleunigung sein.

     

Dr. med. Matthias Weniger studierte Medizin in Marburg und in der Schweiz. In seiner Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner legte er den Schwerpunkt auf die Notfallmedizin und die Psychiatrie. Neben zahlreichen Aus- und Weiterbildungen (u. a. als Achtsamkeitslehrer in der MBSR/MBCT-Methode) ist er ärztlicher Psychotherapeut und trägt die Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich der Verhaltenstherapie und der Lösungsorientierten Therapie.

Er ist ärztlicher Leiter der Psychokardiologie an der Bergmannsheil und Kinderklinik Buer GmbH in Gelsenkirchen, gleichzeitig ist er Vorstand des Instituts für Stressmedizin Rhein Ruhr. Er leitet die erste deutschsprachige curriculäre Fortbildung Stressmedizin an der Akademie für ärztliche Fortbildung der Ärztekammer Westfalen-Lippe.

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