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Symbolbild Kommunikation: Sprechblasen und Buchstaben

Sprachbildung in Thüringen

Grundsätze sprachlicher Bildung

Kompetenzen in der deutschen Sprache sindeineGrundvoraussetzung für den Schulerfolg und die umfassende Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben. Damit ist sprachliche Bildung eine der Kernaufgaben aller Bildungseinrichtungen. Dies gilt sowohl für den Elementarbereich als auch für den Primarbereich und den Sekundarbereich der Schule.

Im Laufe ihres Lebens erwerben Kinder Kompetenzen in der Alltagssprache. Dieser Erwerb der Alltagssprache erwächst aus konkreten Alltagssituationen und dem familiären bzw. sozialen Umfeld. Alltagssprache ist daher stark mündlich geprägt. Um den Anforderungen in der Schule und im weiteren Leben gerecht zu werden, sind in zunehmendem Maße Kompetenzen in der Bildungssprache und in Fachsprache(n) erforderlich. Bildungs- und Fachsprache sind schriftsprachlich geprägt.

    • Definition Bildungssprache

      Bildungssprache „… bezeichnet ein spezielles sprachliches Register, das im Kontext der schulischen Bildung eine besondere Rolle spielt. Ein Register ist eine Art und Weise des Sprachgebrauchs, die für einen bestimmten Kontext charakteristisch ist. Mit dem Begriff Bildungssprache wird auf Besonderheiten des Sprachgebrauchs verwiesen, der in Schulen und in anderen formalen (Bildungs-)Kontexten benutzt wird, um Fähigkeiten und Wissen zu vermitteln bzw. sich anzueignen.“
         Gogolin, Ingrid: Bildungsprache (2021) www.mehrsprachigkeit.uni-hamburg.de

      Merkmale von Bildungssprache auf Wortebene sind u. a. die Verwendung

      • präfigierter Verben, z. B. erhitzen, sich auf etwas beziehen, etwas besprechen,
      • von Nominalisierungen, z. B. die Gründung der Republik, die Begrenzung des Territoriums,
      • von Zusammensetzungen, z. B.  die Gründungsversammlung, das Messinstrument, der Transportweg.

      Merkmale von Bildungssprache auf Satzebene sind u. a. die Verwendung

      • umfänglicher Attribute, z. B. die nach oben offene Richterskala, die sich daraus ergebende Konsequenz,
      • unpersönlicher Konstruktionen und des Passivs, z. B. „Addiert man diese Zahlen, …“, „Wird die Lösung erhitzt, ..“
      • Funktionsverbgefüge, z. B. in Brand setzen, unter Beweis stellen.

      Merkmale von Bildungssprache auf diskursiver Ebene sind u. a.

      • für den Unterricht spezifische Sprachhandlungen, die durch Operatoren gesteuert werden, z. B. beschreiben, erläutern, argumentieren,
      • häufig monologische Formen des Schreibens oder Sprechens, z. B. Vorträge, Essays,
      • bestimmte stilistische Merkmale, z. B. Textgliederung, sachlicher Stil.

      Eine durchgängige Sprachbildung zielt darauf ab, die sprachlichen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen systematisch zu entwickeln. Im Idealfall geschieht dies bildungsetappenübergreifend.

    Symbolbild Bildung

    Expertise „Bildung durch Sprache und Schrift (BISS)“ (Bund-Länder-Initiative zur Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung)

    Sprachbildung im Elementarbereich

    Sprachlicher Bildung kommt im Elementarbereich eine große Bedeutung zu. Im Abschnitt 2.1 formuliert der Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre dazu Kernaussagen und gibt Anregungen für die Umsetzung.

    Symbolbild Bildung

    Sprachbildung in der Schule

    Im schulischen Kontext umfasst die durchgängige Sprachbildung alle Klassenstufen und Fächer.

    Bildungssprachliche Kompetenzen müssen fachspezifisch und fächerübergreifend fortlaufend ausgebaut werden. Planungsgrundlage für diesen Prozess sollte ein schulisches Sprachbildungskonzept sein, das von allen Fächern, Lehrerinnen und Lehrern und weiteren pädagogischen Fachkräften getragen wird. Die Erkenntnis, dass fachliches Lernen und sprachliches Lernen ineinandergreifen und das eine nicht vom anderen zu trennen ist, bildet die Basis eines solchen Konzepts. Von Lehrerinnen und Lehrern erfordert dies einen Haltungswechsel. Sie sind gefordert, neben der fachlichen auch die sprachliche Entwicklung der Lernenden in den Blick zu nehmen und entsprechend zu befördern. Verbreitete Ansätze dafür sind der sprachsensible Fachunterricht und der fachsensible Sprachunterricht.

      • Die Lehrkräfte haben ein gemeinsames Verständnis von Sprachbildung.
      • Sprachbildung und Sprachförderung sind in der Schule durchgängig angelegt.
      • Diagnostik wird systematisch und gezielt eingesetzt.
      • Alle am Bildungsprozess Beteiligten arbeiten abgestimmt über Fächergrenzen hinweg am Ausbau der sprachlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler.
      • In allen Fächern wird unter Nutzung alltäglicher Lerngelegenheiten sprachlich gefördert (sprachsensibler Fachunterricht).
      • Die Lehrerinnen und Lehrer planen und gestalten ihren Unterricht mit Blick auf die unterschiedlichen Register: Alltags-, Fach- und Bildungssprache.
      • Sprachliches und fachliches Lernen werden miteinander verknüpft. Der Wortschatz wird systematisch ausgebaut. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl die fachliche Sprache als auch der unterrichtsbezogene, fächerübergreifend relevante Wortschatz.
      • Die Förderung des Schreib- und Leseverständnisses baut auf dem Training der Schreib- bzw. Leseflüssigkeit sowie der Vermittlung und dem Einüben von Schreib- bzw. Lesestrategien auf. Die Schülerinnen und Schüler werden dabei zunehmend zum eigenständigen Einüben (z. B. durch Training von Verfahren des wechselseitigen Lernens) befähigt.
      • Mehrsprachigkeit erfährt in der Schule Wertschätzung, ihre Potenziale werden genutzt.
      • Das Kollegium professionalisiert sich durch Fortbildung zur systematischen sprachlichen Förderung.
      • Die Lehrkräfte reflektieren ihr Handeln, z. B. den Einsatz der Lehrersprache.
      • Die Schule verfügt über ein Sprachbildungskonzept mit Bestandsaufnahme, Zielbeschreibung und Planung sowie Umsetzung der notwendigen Maßnahmen. Das Konzept wird in regelmäßigen Abständen evaluiert.

       

    • Schulisches Sprachbildungskonzept

      Ein gutes schulisches Sprachbildungskonzept …

      • dient der Gestaltung einer durchgängigen Sprachbildung,
      • zeigt den Stellenwert der Sprachbildung an der Schule und die Entwicklungsschwerpunkte auf,
      • stellt die Schwerpunkte bezogen auf Themen, Fächer und/oder bezogen auf die Jahrgangsstufe dar,
      • ist Teil der schulinternen Lehr- und Lernplanung,
      • wird durch Teams bzw. unter Einbindung des gesamten Kollegiums erstellt,
      • stellt den Konsens aller Lehrkräfte zu grundlegenden Zielen der Sprachbildung dar,
      • ist praktisch und umsetzbar,
      • befördert ein einheitliches Vorgehen an der Schule (z. B. in Hinblick auf Leistungseinschätzung),
      • führt die Absprachen der Vertreterinnen und Vertreter der unterschiedlichen Fächer in Bezug auf die Verbindung von sprachlichem und fachlichem Lernen auf,
      • bezieht die Projekte der Schule ein,
      • enthält Angaben zu an der Schule verwendeten Lehr- und Lernmaterialien,
      • zeigt die in der Schule/im Sozialraum vorhandenen Unterstützungsangebote,
      • gibt an, welche Verfahren zur Erfassung der Kompetenzen im sprachlichen Bereich eingesetzt werden und wie mit den Ergebnissen weitergearbeitet wird,
      • enthält Ausführungen zur Reflexion angewandter Maßnahmen,
      • ist kein fertiges Produkt, sondern unterliegt der regelmäßigen Überarbeitung.

      bearbeitbare Vorlage für ein Schulisches Sprachbildungskonzept

       

    • Einmal monatlich, in der Regel am letzten Montag des Monats, findet das digitale Forum Sprachbildung: Aus der Praxis für die Praxis statt. Das Forum bietet Raum für praktische Anregungen zu sprachlicher Bildung und Förderung und den Austausch. Die Teilnahme steht allen Thüringer Pädagoginnen und Pädagogen offen.

      Veranstaltungen im Forum Sprachbildung

      • 28. März 2022, 16:30 – 17:30 Uhr
        Das Lautleseprotokoll: ein Instrument zur Erfassung von Leseflüssigkeit
        geeignet für interessierte Pädagoginnen und Pädagogen, alle Schularten, alle Fächer
      • 25. April 2022, 16:30 – 17:30 Uhr
        Lautlesetandems: ein Verfahren zur Verbesserung der Leseflüssigkeit
        geeignet für interessierte Pädagoginnen und Pädagogen, Primarbereich und Sekundarstufe I, alle Fächer
      • 23. Mai 2022, 16:30 – 17:30 Uhr
        Reziprokes Lesen: Lesestrategien im Unterricht trainieren
        geeignet für interessierte Pädagoginnen und Pädagogen, Sekundarstufe I, alle Fächer
      • 27. Juni 2022, 16:30 – 17:30 Uhr
        Die Bedeutsamkeit der phonologischen Bewusstheit – Sprachspiele im Anfangsunterricht
        geeignet für interessierte Pädagoginnen und Pädagogen, Primarbereich, alle Fächer
      • 22. August 2022, 16:30 – 17:30 Uhr
        Kreative und spielerische Anregungen zur Sprachförderung im Deutsch- und DaZ-Unterricht
        geeignet für interessierte Pädagoginnen und Pädagogen, Primarbereich und Sekundarstufe I, Deutsch und DaZ

      Für nähere Auskünfte: E-Mail an Referat33[at]tmbjs.thueringen.de 

      Weiterführende Links

      https://antolin.westermann.de/ 
      (Leseportal)

      https://www.blinde-kuh.de/index.html
      (Kindersuchmaschine)

      https://www.stiftunglesen.de/loslesen/einfach-vorlesen/bestellung-material
      (Bestellmöglichkeit für kostenloses Material zur Durchführung von Vorleseprojekten)

      https://deutsches-schulportal.de/konzepte/
      (Praxisideen zur Weiterentwicklung von Schule und Unterricht; insbesondere mit dem Focus auf hybrides und digitales Lernen)

      https://symposion-deutschdidaktik.de/wp-content/uploads/2021/03/SDD-Symposion-Deutschdidaktik-AG-Leseverstehen.pdf
      (Arbeitsgruppe Leseverstehen der Fachgesellschaft Symposion Deutschdidaktik: Fachgruppe mit Fokus auf Forschung und didaktische Entwicklung)

      https://grundschulverband.de/grundschrift/ 
      (Netzauftritt des Grundschulverbands zur Grundschrift, einer mit Praktikerinnen und Praktikern erarbeiteten Ausgangsschrift, die es erlaubt, das Schreiben lernen mit einer Druckschrift zu beginnen und dann individuell zu einer verbundenen Handschrift zu gelangen)

      https://www.biss-sprachbildung.de/angebote-fuer-die-praxis/tool-dokumentation/empfohlene-diagnostische-tools/individualdiagnose-sprach-leseentwicklung/
      aus wissenschaftlicher Sicht empfehlenswerte Tools für eine Individualdiagnose Sprach-/Leseentwicklung

      https://www.biss-sprachbildung.de/angebote-fuer-die-praxis/tool-dokumentation/empfohlene-diagnostische-tools/empfohlene-tools-fuer-andere-diagnostische-zwecke/
      Informelle Verfahren mit diagnostischer Zielrichtung

      https://www.biss-sprachbildung.de/publikationen/
      Handreichungen und Publikationen aus BiSS zu unterschiedlichen Themen im Kontext der sprachlichen Bildung in Kita und Schule

      https://li.hamburg.de/sprachfoerderung/material/
      Materialien zu Sprachbildung und Sprachförderung, teilweise fächerspezifisch

      https://buecherpiraten.de/de/1001-sprache
      Projekt "1001 Sprache" für den DaZ-Bereich

       

    Sprachförderung für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund

    Eine diagnosegeleitete sprachliche Förderung ist entscheidend für eine erfolgreiche schulische Integration von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und Förderbedarf in Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Auch hier gilt zu beachten, dass nicht nur der Erwerb und Ausbau der Kompetenzen in der Alltagssprache, sondern auch die Entwicklung bildungs- und fachsprachlicher Kompetenzen in den Blick zu nehmen sind. Schulen mit guten Sprachbildungskonzepten setzen die sprachliche Förderung der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in enger Kooperation zwischen den einzelnen Sachfächern und DaZ um.

    Maßnahmen zur Sprachbildung in Thüringen

    Bund-Länder-Initiativen „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) und BiSS-Transfer

    Von 2013 bis 2019 arbeiteten über 600 Schulen und Kitas aus allen Ländern der Bundesrepublik in der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS). Ziel der Initiative war die Verbesserung der Sprachbildung und der Lese- und Schreibförderung. Mit wissenschaftlicher Unterstützung erprobten die Beteiligten Konzepte zur Sprachbildung und entwickelten sie weiter.

    Thüringen beteiligte sich an BiSS mit zwei sogenannten Verbünden – Zusammenschlüssen von Schulen, die an einem gemeinsamen Themenschwerpunkt arbeiteten. Ein Verbund Thüringer Schulen mit Primarbereich arbeitete zum Schwerpunkt „Systematische Leseförderung“. Ein weiterer Verbund von Schulen des Sekundarbereichs arbeitete zum Thema „Sprachsensibler Fachunterricht“.

    BiSS-Transfer zielt darauf ab, die Inhalte von BiSS in der Breite zu implementieren. Lese- und Schreibförderung und sprachsensibler Fachunterricht gehören zu den zentralen Themen.

    In Thüringen arbeiten erneut ein Verbund in der Primarstufe an der Implementierung einer systematischen Leseförderung und ein weiterer Verbund in der Sekundarstufe I an der Implementierung eines sprachsensiblen Fachunterrichts.

    Vorhaben „Sprachsensibler Mathematikunterricht in der Sekundarstufe I“ im Rahmen von BiSS-Transfer

    Zwischen 2016 und 2019 wurde im Forschungsprojekt „Sprachbildung im Mathematikunterricht“ (SiMa) in Thüringen untersucht, wie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für einen sprachsensiblen Mathematikunterricht qualifiziert werden können. Dazu wurden Unterrichtseinheiten für einen sprachsensiblen Mathematikunterricht mit den Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und den beteiligten Schulen erprobt und weiterentwickelt.

    Mit Jahresbeginn 2022 beginnt daran anknüpfend das Forschungsvorhaben „Sprachsensibler Mathematikunterricht in der Sekundarstufe I“ (Fach-BiSS) im Rahmen der Bund-Länder-Initiative BiSS-Transfer. Auf einer breiteren Basis wird hier untersucht, wie der Transfer von Ansätzen zur sprachlichen Bildung in den Mathematikunterricht gelingen kann. Mit einer Laufzeit von 2022 bis 2024 enthält Fach-BiSS folgende Bausteine:

    • Qualifizierung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für sprachsensiblen Mathematikunterricht
    • Fortbildung von Teams der teilnehmenden Schulen zu Konzepten des sprachsensiblen Mathematikunterrichts
    • Erprobung von sprachsensibel aufbereiteten Unterrichtsmaterialien für den Mathematikunterricht durch die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer
    • Datenerhebungen zum Effekt eines sprachsensiblen Mathematikunterrichts

    Thüringen ist mit 12 Schulen an dem Forschungsvorhaben beteiligt.

    Bund-Länder-Initiative „Schule macht stark“

    „Schule macht stark“ ist eine Initiative von Bund und Ländern zur Unterstützung von Schulen in sozial schwierigen Lagen. Ein Forschungsverbund und 200 Schulen arbeiten in einem Zeitraum von 10 Jahren (2020- 2030) zusammen, um die Bildungschancen für Schülerinnen und Schülern zu verbessern, die sozial benachteiligt sind. Folgende Inhaltscluster werden ko-konstruktiv mit den Schulen bearbeitet:

    • Unterrichtsentwicklung in den Fächern Deutsch und Mathematik,
    • Professionalisierung des pädagogischen Personals,
    • Schulentwicklung und Führung,
    • außerunterrichtliches Lernen und Sozialraumorientierung

    Ziel des Inhaltsclusters „Unterrichtsentwicklung Deutsch und Mathematik“ ist die Entwicklung von sprachlichen und mathematischen Basiskompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Für das Fach Deutsch werden für die Primar- und Sekundarstufe fachspezifische Module angeboten, die z. B. zum Thema „Leseflüssigkeit“ Diagnose- und Fördermöglichkeiten enthalten.

    Das Ministerium in den sozialen Netzwerken: