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Gemeinsamer Unterricht

Das Thüringer Bildungssystem hat das Ziel, Heranwachsende individuell zu fördern, damit sie – ihren Möglichkeiten entsprechend – den bestmöglichen Schulabschluss erreichen. Dazu stehen den Kindern und Jugendlichen im Freistaat verschiedene Schularten, Schulformen und Bildungsgänge offen, die jeweils durch individuelle sonderpädagogische Förderung ergänzt werden können.

Gemeinsamer Unterricht findet in Thüringen an den allgemeinen Schulen statt. Hier lernen Kinder und Jugendliche mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf von Anfang an gemeinsam. Ziel ist es, dass alle Schülerinnen und Schüler an individueller Förderung und passgenauen Bildungsangeboten partizipieren können.

Die individuelle Förderung ist dabei ein durchgängiges Prinzip schulischen Handelns. Ausgehend von den Stärken des Individuums, verfolgt sie das Ziel, jede Schülerin und jeden Schüler, ob mit oder ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, bestmöglich beim Bildungs- und Kompetenzerwerb zu unterstützen und gleichermaßen individuell zu fordern und zu fördern.

Grundlage für die individuelle Förderung bilden die pädagogische Diagnostik, einschließlich Leistungseinschätzung, und die Arbeit mit dem Förderplan. Voraussetzung für die Bereitstellung passgenauer individueller Lernangebote (pädagogische Förderung) ist die Analyse von Lern- und Entwicklungsprozessen sowie die Feststellung von Lern- und Entwicklungsständen (pädagogische Diagnostik). Sie sind fester Bestandteil des Lehrerhandelns und der Lehr- und Lernplanung.

Sonderpädagogische Diagnostik ergänzt die pädagogische Diagnostik. Sie erfolgt, wenn der Anspruch des/der Lernenden auf individuelle Förderung ohne eine sonderpädagogische Förderung nicht ausreichend erfüllt werden kann und wird im Rahmen des Feststellungsverfahrens durch den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst (MSD) der Staatlichen Schulämter durchgeführt. Der MSD prüft, ob sonderpädagogischer Förderbedarf vorliegt, legt fest, in welchem Schwerpunkt sonderpädagogische Förderung erforderlich ist, beschreibt Ansätze und gibt Hinweise zur sonderpädagogischen Förderung im schulischen Kontext.

Sonderpädagogische Förderung geht über die pädagogische Förderung hinaus, ist in der Regel temporär begrenzt und erfolgt auf der Grundlage eines sonderpädagogischen Gutachtens und eines sonderpädagogischen Förderplans.

Sowohl die pädagogische als auch die sonderpädagogische Förderung erfolgen vorrangig im gemeinsamen Unterricht im Klassenverband.

Die Lehrkräfte in den Schulen erarbeiten auf der Grundlage des sonderpädagogischen Gutachtens konkrete Maßnahmen zur sonderpädagogischen Förderung, Beratung und Unterstützung. Im Sinne der lernprozessbegleitenden Diagnostik dokumentieren sie diese mindestens zweimal jährlich in einem sonderpädagogischen Förderplan, führen die Förderung durch, evaluieren den Prozess der Förderung und überprüfen jährlich den sonderpädagogischen Förderbedarf im Rahmen der Fortschreibung des sonderpädagogischen Gutachtens.

    Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner

    Schule

    Wenn im konkreten Fall Fragen zum gemeinsamen Unterricht zu beantworten und Entscheidungen für das einzelne Kind, die Klasse oder die Schule zu treffen sind, ist der erste Ansprechpartner die Klassenlehrerin bzw. der Klassenlehrer.

    Weitere Beratungsangebote der einzelnen Schulen sind:

    • das Gespräch mit einer Beratungslehrkraft,
    • das Gespräch mit dem Förderschullehrkraft oder der Sonderpädagogischen Fachkraft und
    • das Gespräch mit der Schulleiterin bzw. dem Schulleiter.

    Schulämter

    In den Schulämtern sind die Koordinatorinnen und Koordinatoren für den gemeinsamen Unterricht sowie die Referentinnen und Referenten für Förderschulen ansprechbar. Sie unterstützen hinsichtlich der zu stellenden Anträge und beraten im Inklusionsprozess.

    Telefonnummern und E-Mail-Adressen finden Sie auf den Seiten der Schulämter.


    Weitere Unterstützerinnen und Unterstützer

    Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM)

    Thüringer Forschungs- und Arbeitsstelle für den Gemeinsamen Unterricht

    Landeselternvertretung Schule

    Thüringer Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen

    Praxishilfen

    Hinweis:
    Einige Veröffentlichungen sind nur als Download verfügbar.
    Bestellbare Publikationen finden Sie in unserem Publikationsverzeichnis.

    Handreichung für den Gemeinsamen Unterricht. Praxishilfe
    Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, 2013
    bestellbar

    Leitlinien für Schüler mit Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung
    Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend  und Sport, 2018
    bestellbar

    Leitfaden zur sonderpädagogischen Diagnostik
    Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend  und Sport, 2021

    Leitfaden zur sonderpädagogischen Diagnostik im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
    Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, 2020

    Fachlichen Empfehlung zur Gestaltung von individuellen Lernprozessen im Kontext der individuellen Abschlussphase an Thüringer Schulen
    Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, 2013

    Publikationen des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen

    Thüringer Forschungs- und Arbeitsstelle für inklusive Bildung: Praxishilfen

    Arbeitshilfe Sicherstellung Hilfebedarf
    Die Sicherstellung des besonderen Hilfebedarfs für Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung während des Schulbesuchs einschließlich der Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs und der Leistungsgewährung durch den öffentlichen Sozial- oder Jugendhilfeträger

    Das Ministerium in den sozialen Netzwerken: