Zur Hauptnavigation . Zum Seiteninhalt

Thüringer Landeswettbewerb Demokratisch Handeln: Bildungsminister Helmut Holter dankt Thüringer Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräften für ihr Engagement


Erstellt von Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport

auf einem iPad läuft eine Videokonferenz, im Hintergrund eine Schultafel
Foto: Bildagentur PantherMedia

Thüringen zeichnet 50 Demokratieprojekte von Thüringer Schulen aus. Die Arbeiten werden am 25. März 2021 bei der Digitalen Lernwerkwerkstatt Demokratie Thüringen vorgestellt.

Den hohen Stellenwert, den Demokratiebildung auch in Coronazeiten an Thüringer Schulen hat, bekräftigt Bildungsminister Helmut Holter: „Das Erlernen von Fairness, Toleranz, Respekt sowie wertschätzender Kommunikation ist Grundlage des sozialen Miteinanders in Schule und Gesellschaft. Insbesondere in Zeiten der Pandemie wird deutlich, wie wichtig es beim Distanzlernen ist, gemeinsam Regeln zu verabreden und danach zu handeln. Auch hier müssen alle Schülerinnen und Schüler mitgenommen werden. Für das außerordentliche Demokratie-Engagement danke ich allen Schülerinnen und Schülern sowie allen Lehrkräften und Mitwirkenden.“ 

Die Schulprojekte sind, so Holter weiter, besonderer Ausdruck von Vielfalt, Kreativität, Mitgestaltung und Mitverantwortung von Schülerinnen und Schülern.

Die 50 Schulprojekte zeigen die Verschiedenartigkeit von gelebter Schulkultur in folgenden Themenfeldern: Mitbestimmung, historisch-politisches Lernen, Lebenswelt & Ökologie und der Verantwortung in der Pandemie.

Aus diesen Themenfeldern hat die Thüringer Landesjury, bestehend aus Vertreter*innen der Landesschülervertretung, dem Lern- und Erinnerungsort Topf & Söhne und dem Thüringer Bildungsministerium gelungene Schuldemokratieprojekte begutachtet. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass alle eingereichten Schulprojekte inhaltlich überzeugt haben und im Einklang mit den kompetenzorientierten Thüringer Lehrplänen sind.

Beispielhaft werden einige Schuldemokratieprojekte des Thüringer Landeswettbewerbs Demokratisch Handeln nach Themenfeldern vorgestellt:

Lebenswelt & Ökologie

Grundschule Haubinda:,,Ich setz mir deine Brille auf. Ein deutsch-indisches Bilderbuch entsteht“

Schon seit 14 Jahren unterstützt die Grundschule Haubinda ein Schulzentrum in einem Armenviertel Kalkuttas (Indien). Initiatorin war die damalige Leiterin der Grundschule, Frau Sill. Sie hatte persönliche Beziehungen zu Sabine Krienke, der Gründerin des Kalkuttahilfe e.V. Frau Krienke besuchte die Grundschule und berichtete von der Arbeit des Vereins.

Hiervon inspiriert, entwickelte die Grundschule in Haubinda im Schuljahr 2019/ 2020 ein mehrwöchiges Indien-Projekt. Der Schule war wichtig, dass Kinder aus Indien und Thüringen in Kontakt kommen. Dabei setzen sie darauf, dass die Kinder Gemeinsamkeiten aus ihren Lebenswelten entdecken können, aber auch Unterschiede wahrnehmen lernen. Um die Sprachbarriere zu umgehen, wählte die Grundschule den gemeinsamen Zugang über Bildwelten. Die Schülerinnen und Schüler wählten Formen der zeichnerischen Darstellung. Mit den Themen: Weg zur Schule, Leben im Klassenraum, gemeinsames Mittagessen, Blick aus dem Fenster, Spiele in der Pause und Lieblingskleidung. Diese Themen und Motive zeichneten auch die Kinder in Kalkutta. Diese Bilder wurden ausgetauscht. Es entstand ein zweisprachiges Bilderbuch. Dieses Projektbuch wird eingesetzt in Unterrichtsstunden des Fachs Heimat- und Sachkunde.

Ehrenamtliche Fachleute ermöglichten eine Übersetzung ins Indische. Angestrebt wird von der Grundschule Haubinda, 100 Exemplare des Bilderbuchs an indische Kinder zu versendet.

Regelschule Haubinda: Projektwoche: ,,Rassismus und Antisemitismus"

,,Jude, Neger, Schwuler, Spast“ – diese Worte sind leider auf vielen Schulhöfen und in anderen gesellschaftlichen Kontexten als Schimpfworte in Gebrauch. Im vergangenen Schuljahr hörte man sie auch in der Regelschule Hermann Lietz. Die Lehrkräfte reagierten darauf unmittelbar. Es fanden Gespräche hierzu im Unterricht statt und die Projektwoche „Rassismus und Antisemitismus“ wurde ins Leben gerufen. Die Schulgemeinschaft entschied sich, im September 2020 eine Projektwoche zum Thema Antisemitismus, Alltagsrassismus in den USA sowie Ausländerfeindlichkeit in Deutschland durchzuführen. Dank der Kooperation mit der Flüchtlingsunterkunft Römhild konnte das Projekt lebensnah realisiert werden. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren z.B., auf welchen Wegen und aus welchen Gründen sich Menschen auf den Weg nach Europa begeben. Schülerinnen und Schüler aus den Klassenstufen 9 und 10 beschäftigten sich mit der „Black lives matter“-Bewegung in den USA. Thomas Helbig, Mitarbeiter im Thüringer Innenministerium, zuständig für Extremismus-Prävention, berichtete außerdem von aktuellen Aktivitäten in der rechtsextremen Szene. Es kam zu einem Dialog mit den Schüler*innen.

Zudem besuchte Mo Asumang (Journalistin, Filmemacherin, Autorin u.a. für ZDF und Arte) die Schule. Geboren und aufgewachsen in Kassel, erlebte sie frühzeitig verschiedene Formen des Alltagsrassismus in Deutschland. Im Anschluss an die Projektwoche schrieben alle Schülerinnen und Schüler eine Jahresarbeit zu einem Thema, das sich aus ihrem Workshop oder aus einem der Vorträge ergeben hat.

Aus zwei Projektarbeiten ging eine Umfrage hervor, die  nun ausgewertet wird. Hieraus sollen Empfehlungen abgeleitet werden, die z.B. die Schulordnung in Haubinda ergänzen. Eine zweite Schülerarbeitsgruppe befasste sich mit Eva.stories - einem israelisch-amerikanische Filmprojekt. Eva.stories ist ein fiktiver webbasierter Account eines 13-jährigen jüdischen Mädchens. Im Ergebnis der Projektwoche entstand eine Präsentation der Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7-10.

Die Schule stellt für sich fest, dass nun bei Beschimpfungen unmittelbar Schülerinnen und Schüler reagieren und Schimpfworte nicht mehr als ,,normal“ empfinden, sondern zu argumentieren gelernt haben. Zusammenfassende Darstellung der Schule in Haubinda sind einsehbar unter: https://prezi.com/view/4ljwysvNnwERSUNQ4nLs/

Verantwortung und Mitbestimmung in Coronazeiten

Grundschule Gefell: „Schülerzeitung im Corona-Jahr“

Seit vielen Jahren begeistern sich die Kinder der Grundschule Gefell in einer Arbeitsgemeinschaft für Feste und Höhepunkte der Schule, die gemeinsam mit den Städten Gefell und Hirschberg entwickelt werden. Über ihre aktuellen Aktivitäten haben die Grundschüler in der Schülerzeitung berichtet. 

Mit Gedichten, Liedern und Rezitationen treten die Schülerinnen und Schüler beispielsweise vor Bewohnerinnen und Bewohner des Michaelisstifts auf. Unmittelbar vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie freuten sich die älteren Menschen über die musikalischen Darbietungen der Gefeller Grundschüler. In der Öffentlichkeit wird das hohe Engagement der Grundschüler geschätzt. Durch die öffentlichen Auftritte werden gleichzeitig die künstlerisch-musikalischen Kompetenzen der Kinder gestärkt, sie lernen frühzeitig, Verantwortung zu übernehmen, ihr Einsatz wird anerkannt und trägt dazu bei, dass sie mit Freude und Offenheit in der Schulöffentlichkeit wirken.

Aufgrund der pandemischen Entwicklung konnten ab März 2020 die Gefeller Grundschüler leider nicht mehr öffentlich auftreten. Das Projekt soll jedoch nach Aufhebung der Kontaktbeschränkungen fortgeführt werden.

Historisch-politisches Lernen

Gemeinschaftsprojekt Gymnasium Arnoldi Schule Gotha,  Ernestinum Gymnasium Gotha, G. Freytag Gymnasium Gotha, Kooperative Gesamtschule ,,Herzog Ernst" Gotha, Perthes-Gymnasium Friedrichroda in Zusammenarbeit mit der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha: „Memory Walk Gotha  –  Befrage deinen Ort zur Geschichte“

In den Oktober Ferien 2020 fand ein Workshop mit freiwilliger Teilnahme von Gothaer Schülerinnen und Schülern statt. Gemeinsam mit der Stiftung Schloss Friedenstein wurde das Projekt „Memory Walk Gotha  –  Befrage deinen Ort zur Geschichte“ entwickelt. Ziel des Projekts war die kritische Reflexion der Erinnerungskultur in Gotha und zugleich die Entwicklung von Videoclips. Die Schülerinnen und Schüler führten Interviews mit Gothaer Bürgerinnen und Bürgern. Im Ergebnis entstanden zwei Videodokumentationen von jeweils 7 Minuten zu folgenden Themen:

  1. Zur Gedenktafel, die an die Deportationen jüdischer Mitbürger vom Gothaer Bahnhof in den 1940er Jahren erinnert.
  2. Ein Video zur im Jahr 1938 zerstörten Gothaer Synagoge, heute Fachmarktzentrum mit neugestaltetem Denkmal.

Die Stiftung Schloss Friedenstein hat beide Projektvideos öffentlich zugänglich gemacht, abrufbar unter:

Memory Walk in Gotha | Gedenktafel am Bahnhof

Memory Walk in Gotha | Denkmal für die Synagoge

Hintergrund:

Die Lernwerkstatt Demokratie Thüringen ist Teil des Landeswettbewerbs und -programms Demokratisch Handeln.

2021 findet die Lernwerkstatt erstmals als digitale Veranstaltung statt. Sie wird organisiert in Kooperation mit dem Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS), dem Erinnerungsort Topf & Söhne und dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien.

Ziel der Thüringer Lernwerkstatt ist es, schulbezogene Demokratieprojekte öffentlich sichtbar zu machen, um die politische und gesellschaftliche Mitverantwortung von engagierten Schülerinnen und Schülern sowie von Lehrkräften zu würdigen.

Während der Digitalen Lernwerkstatt Demokratie nutzen die teilnehmenden Schulen die Möglichkeiten des Distanzlernens. Es werden auch unter den virtuellen Bedingungen dieser Veranstaltung die Ergebnisse erfolgreicher Schuldemokratieprojektarbeit präsentiert. Das digitale Format ermöglicht Schülerinnen und Schülern insbesondere unter den aktuellen Bedingungen einen schulartübergreifenden Erfahrungsaustausch.

Alle an der Lernwerksatt mitwirkenden Schulen erhalten vom TMBJS als Anerkennung ihr Demokratieengagement eine Urkunde.

Die Veranstaltung bietet allen beteiligten Lehrkräften eine digitale Fortbildungsmöglichkeit zum Thema,,Lernen durch Engagement – Demokratiekompetenz und digitale Medien“ an. Das TMBJS hat mit der Stiftung Lernen durch Engagement (LdE) eine Kooperationsvereinbarung, wodurch diese Lernmethode für Thüringer Schulen anwendungsbereit für lehrplankonforme Schulprojekte ist.

Weitere Informationen unter: https://www.servicelearning.de

Das Ministerium in den sozialen Netzwerken: